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    Kapital Digital Featured | 3 Min Lesedauer

    Mitarbeiterbeteiligung mit Crowdfunding

    Employee Stock Option Plan, Virtual Stock Option Plan, Belegschaftsaktien – im Zusammenhang mit einer Mitarbeiterbeteiligung kursieren viele Modelle. Nur eines wird häufig übersehen: Crowdfunding.

    Mitarbeiterbeteiligungen sind aktuell in aller Munde. Der Deutsche Startup Verband setzt sich seit längerer Zeit massiv dafür ein, dass die Beteiligung der Belegschaft hierzulande steuerlich privilegiert wird, um sie attraktiver zu machen. Vor wenigen Tagen hat Bundesfinanzminister Olaf Scholz verkündet, die Besteuerung und den bürokratischen Aufwand zu verbessern. So sollen Steuern auf eine Mitarbeiterbeteiligung erst anfallen, wenn Angestellte ihre Anteile an einem Start-up verkaufen. Geplant ist zudem eine Besteuerung wie bei Aktiengeschäften – und nicht wie bisher mit der höheren Einkommenssteuer. Der Entwurf soll noch in diesem Jahr in das Gesetzgebungsverfahren gehen.

    Mitarbeiterbeteiligung über ESOP und VSOP

    Doch betreffen diese – begrüßenswerten – Ankündigungen wohl vor allem Mitarbeiterkapitalbeteiligungen, das heißt Fälle, in denen die Mitarbeiter tatsächlich Aktien oder Aktienoptionen an einem Unternehmen in der Rechtsform der Aktiengesellschaft erhalten (sogenanntes Employee Stock Option Plan, kurz ESOP).

    CrowdDesk_Mitarbeiterbeteiligung_Crowdfunding

    Diese Fälle sind in Deutschland aufgrund der aktuellen Besteuerungslage und der Tatsache, dass die wenigsten Start-ups in der Rechtsform einer Aktiengesellschaft organisiert sind, sondern als GmbH, noch sehr selten. Dafür dürften die bestehenden Regelungen des Gesellschaftsrechts der maßgebliche Grund sein. Es ist für viele junge Unternehmen zu aufwendig eine "echte" Mitarbeiterbeteiligung durchzuführen.

    Die Mehrheit der Start-ups arbeitet deshalb mit sogenannten virtuellen Mitarbeiterbeteiligungen oder VSOPs (Virtual Stock Option Plan). Bei einem VSOP erhält der betreffende Mitarbeiter keine echten Anteile, sondern nur eine virtuelle Beteiligung am Unternehmen. Im Exit-Fall wird er wirtschaftlich dann so behandelt, als hielte er tatsächlich eine entsprechende Mitarbeiterbeteiligung und partizipiert am Exit-Erlös.

    Mitarbeiter binden und Anreize schaffen

    Die Mitarbeiterbeteiligung über VSOPs hat sich in Deutschland im Start-up-Bereich in den letzten Jahren weitestgehend zum Marktstandard entwickelt. Für das Unternehmen bieten solche Programme die Möglichkeit, Mitarbeiter dauerhaft zu binden, auch wenn die Grundvergütung möglicherweise nicht dem Markt entspricht.

    CrowdDesk_Mitarbeiterbeteiligung_Crowdfunding_Startup

    Systemische Nachteile gegenüber großen Arbeitgebern können so ausgeglichen werden. Und der Mitarbeiter erhält den Anreiz, durch seine Arbeit den Unternehmenswert zu steigern und so möglicherweise in der Zukunft einen höheren Exit-Erlös zu erhalten. Beim Rennen um die "besten Köpfe" kann die Mitarbeiterbeteiligung dann ein ausschlaggebendes Argument sein.

    Mitarbeiterbeteiligung: Alternative Crowdfunding?

    Doch es gibt auch heute bereits bedenkenswerte Alternativen zum klassischen VSOP, die weitere Merkmale einer Mitarbeiterkapitalbeteiligung auf sich vereinen. So kann ein Unternehmen, das seine Mitarbeiter beteiligen möchte, auch eine Crowdfunding-Kampagne exklusiv für die eigene Belegschaft in Erwägung ziehen.

    Rechtlich funktioniert eine solche Mitarbeiterbeteiligung über Konstrukte wie die stille Gesellschaft, qualifizierte Nachrangdarlehen oder über Genussrechte. Im Gegensatz zu virtuellen Beteiligungen, bei denen die Mitarbeiter kein "Geld in die Hand nehmen" müssen, investieren die Mitarbeiter bei einer Crowdfunding-Kampagne einen Geldbetrag in das Unternehmen bzw. ein Projekt des Unternehmens.

    Mitarbeiter an Erfolg beteiligen

    Im Gegenzug erhalten sie bei positiver Entwicklung hierauf eine entsprechende Rendite. Die Unternehmenseigner selbst müssen weder Anteile noch Stimmrechte abgeben. Sie erhalten auf diese Weise die Möglichkeit, die Mitarbeiter an bestimmten Projekten (Errichtung einer neuen Produktionsanlage, Umstellung auf ökologische Produktion, Entwicklung neuer Produkte etc.) und gleichzeitig an deren Erfolg teilhaben zu lassen – und das ohne ganz Kosten ins Marketing zu investieren.

    Dieses Finanzierungs- und Mitarbeiterbeteiligungsinstrument bietet sich insbesondere für kleine und mittelständische Unternehmen (KMU) an, die sich in Zeiten von Fachkräftemangel und fortlaufender Digitalisierung auch für alternative Vergütungssysteme wie das einer Mitarbeiterbeteiligung öffnen müssen.

     

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