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    Recht Featured | 4 Min Lesedauer

    5 Jahre Kleinanlegerschutzgesetz: Das sagen Branchenexperten

    Vor fünf Jahren trat das Kleinanlegerschutzgesetz (KASG) in Kraft. Zeit, Branchenexperten zu Wort kommen zu lassen und nach ihren Erfahrungen mit dem KASG zu fragen.

    Am 10. Juli 2015 wurden Schwarmfinanzierungen in einen regulatorischen Rahmen gebettet: Das Kleinanlegerschutzgesetz (KASG) trat in Kraft! Der Graue Kapitalmarkt wurde damit erstmals reguliert. Seit diesem Zeitpunkt steht er unter der Aufsicht der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin). Wie bewerten Branchenexperten die Einführung des Kleinanlegerschutzgesetzes vor fünf Jahren?

    Dr. Ferdinand Unzicker,  Fachanwalt für Bank- und Kapitalmarktrecht

    Dr. Ferdinand Unzicker„Die mit Abstand größte Bedeutung des Kleinanlegerschutzgesetzes lag in der erstmaligen nationalen Regulierung von Schwarmfinanzierung und damit der gesamten Crowdinvesting-Branche. Hierfür war es auch höchste Zeit, da dieser Markt spätestens seit 2010 begann, sich zunächst im unregulierten Umfeld zu entwickeln. Auch hier zeigt sich, dass neue technische Entwicklungen nicht auf die regulatorischen Rahmenbedingungen warten. Vielmehr stellt es umgekehrt immer wieder eine neue Herausforderung für den Gesetzgeber dar, die aufsichtsrechtlichen Standards den technischen Entwicklungen anzupassen. Natürlich kann niemand genau sagen, wie sich der Crowdinvesting-Markt bei strengerer oder liberalerer Regulierung alternativ entwickelt hätte. Die 2015 eingeführten und 2019 nochmals erleichterten Prospektpflichten bzw. Prospektausnahmen standen aber jedenfalls einem kontinuierlichen Wachstum der Branche nicht im Wege. Auch das zu veröffentlichende Vermögensanlagen-Informationsblatt (VIB) hat sich am Markt gut etabliert.“

    Simon Brunke, Co-Founder und CEO von Exporo

    CrowdDesk_Simon Brunke_Exporo„Als führende Plattform für digitale Immobilieninvestitionen haben wir uns bereits im Jahr 2017 strategisch für eine eigene BaFin-Lizenz entschieden und werden die Transformation zu einer voll-regulierte Plattform in diesem Jahr abschließen. Daher begrüßen wir jede Gesetzesinitiative und jede gesetzliche Regelung, die zu mehr Transparenz am Grauen Kapitalmarkt führt und damit den Verbraucherschutz stärkt. Nach der in 2019 durchgeführten Reform des Kleinanlegerschutzgesetzes halten wir insbesondere die dort enthalten Einzelanlageschwellen für geschäftsadäquat, um der weiteren Entwicklung der Crowdfunding-Branche in Punkto Wachstum und Professionalisierung Sorge tragen zu können.“

    Prof. Dr. Lars Hornuf, Universität Bremen, Professor für Betriebswirtschaftslehre, insbesondere Finanzdienstleistungen und Finanztechnologie

    CrowdDesk_Lars Hornuf„Zusammenfassend kann man sagen, dass die Schwellenwerte von 1.000 € und ursprünglich 10.000 € die Investoren in ihrem Anlegeverhalten dahingehend beeinflusst haben, dass exakt diese Schwellenwerte nach Einführung des Kleinanlegerschutzgesetzes häufiger als Anlagebetrag gewählt wurden. Investitionsbeträge oberhalb dieser Werte waren hingegen rückläufig, was stark darauf hindeutet, dass die Schwellenwerte effektiv sind. Auf die Laufzeit der Kampagnen und die durchschnittlich pro Tag eingesammelten Anlagebeträge hatte das KASG unter sonst gleichen Bedingungen keinen Einfluss. Wachstumstreiber war in den letzten Jahren vielmehr die Marktentwicklung hin zum Immobilien-Crowdfunding, bei dem die Insolvenzen vergleichsweise gering und die Rückzahlungen in der Regel nach kürzeren Zeitperioden erfolgen.“

    Dr. Thorsten Voß, Lehrbeauftragter an der Frankfurt School of Finance (Ship Financing, Renewable Energy Finance und Internationales Bankaufsichtsrecht)

    CrowdDesk_Thorsten Voß„Das KASG ist Ausdruck davon, dass sich der Gesetzgeber infolge anhaltender Schädigungen von Kleinanlegern auf dem Grauen Kapitalmarkt zu einer Hochzäunung der mit dem Vermögensanlagengesetz einhergehenden Informationspflichten wie auch zu einer Erweiterung des Anwendungsbereichs um solche Kapitalanlageprodukte veranlasst sah. Diese fielen bisher durch die Regelungslücke. Das hatte zur Folge, dass Anlegern die Risiken von nicht prospektpflichtigen Angeboten nicht in demselben Umfang wie bereits prospektpflichtige Angaben einzuschätzen wussten. Ihnen stand zudem kein Haftungsdokument zur Verfügung. Es war schon deshalb ein Meilenstein, weil die BaFin bereits mit dem Anlegerschutzverbesserungsgesetz eine Prospektpflicht u. a. für partiarische und Nachrangdarlehen gefordert hatte. Mit Sorge sind daher durchaus die Erleichterungen durch das Optionsausübungsgesetz zu sehen, mit dem Emissionen bis zu 8 Mio. Euro lediglich durch ein Wertpapierinformationsblatt ermöglicht werden - (fast) 8 Millionen sind eine dankbare Größe.“

    Markus Schwaninger, Co-Founder und CFO von ecoligo

    CrowdDesk_Markus Schwaninger_ecoligo„Die transparente Darstellung ist eines der wichtigsten Merkmale der Investitionsmöglichkeiten ecoligo.investments. Als wir die Crowdinvesting-Plattform vor etwas mehr als 3 Jahren an den Markt gebracht haben, unterlagen wir bereits dem KASG, das ebenfalls den Transparenzgedanken fördert und aktiv zum Anlegerschutz beiträgt. Zu nachhaltiger Entwicklung zählt für uns auch, dass Privatanleger mehr direkte Beteiligungsmöglichkeiten am Finanzmarkt und speziell der Finanzierung von erneuerbaren Energieprojekten bekommen. Das KASG gibt uns in Deutschland diese Möglichkeit und hat Crowdinvesting durch eine klare Regulierung aus einer Nische herausgeholfen und stellt gleichzeitig den Verbraucherschutz an erste Stelle. Die Crowdinvestoren schätzen und nutzen dies, was man an den stark wachsenden Crowdinvesting-Volumina leicht erkennen kann.“

    Jamal El Mallouki, Co-Founder und Geschäftsführer von CrowdDesk und Vorsitzender des Bundesverbands Crowdfunding

    Jamal_ElMallouki_500x500-1„Grundsätzlich lässt sich eine positive Bilanz des Kleinanlegerschutzgesetzes ziehen. Es sorgt für mehr Transparenz bei den Anlegerinnen und Anlegern. Emittenten ermöglicht es einen sinnvollen Einstieg in den Kapitalmarkt – ohne den Anlegerschutz mit der Einführung des VIB zu vernachlässigen. Das KSAG war aber auch die Grundlage für andere Gesetze auf nationaler und europäischer Ebene, wie z. B. dem European Crowdfunding Serviceprovider Regime. Hier wurde viel vorangetrieben und an die dynamische Marktentwicklung angepasst. Wenngleich es noch offene Punkte gibt, die in Zukunft angegangen werden müssen. Dazu gehört etwa die Erweiterung der Finanzinstrumente um weitere Mezzanin- und Eigenkapitalinstrumente. Außerdem die Vereinheitlichung der Widerrufsrechte bei der Nutzung der Schwarmfinanzierungsausnahme, insbesondere die Klärung des Vorrangverhältnisses zwischen §2d VermAnlG und dem allgemeinen Widerrufsrecht.“

     

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