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    „Wo viel Sonne ist, gibt es viel Africa GreenTec“

    Africa GreenTec gestaltet mithilfe von alternativen Finanzinstrumenten die dezentrale und lokale Energieversorgung in Dörfern auf dem afrikanischen Kontinent. Aktuell vergibt das Unternehmen um Gründer Torsten Schreiber über eine Crowdinvesting-Kampagne Genussrechte an Investoren. Noch in diesem Jahr soll eine neue Plattform an den Start gehen. Das Besondere: Auf ihr können Investoren zwischen verschiedenen Crowdfunding-Arten wählen. 

    „Es war einigermaßen absurd“, erinnert sich Torsten Schreiber an den Sommer 2014 zurück. Er war in Bamako zu Besuch, der Hauptstadt Malis. Dort besichtigte er ein Dieselkraftwerk, das täglich 170.000 Liter Diesel verbrennt, aber nur zehn Prozent des Strombedarfs der Stadt deckt. „Die Effizienz dieser Anlage war extrem gering – und das in einem Land, in dem fast immer die Sonne scheint.“ Schreiber ist schnell davon überzeugt, dass sich das anders lösen lässt.

    Solarenergie anstatt Dieselaggregat

    Er will das Problem angehen und gründete 2015 gemeinsam mit seiner Frau Aida Africa GreenTec in Hainburg. Es ist ein Sozialunternehmen. Das bedeutet, dass der Profit nicht im Vordergrund steht. Das Lösen gesellschaftlicher und ökologischer Herausforderungen hat oberste Priorität. Die nötige Erfahrung mit Energieprojekten und deren Finanzierung bringt Torsten Schreiber von bettervest mit. 2012 hatte er die Crowdinvesting-Plattform mit aufgebaut.

    CrowdDesk_Africa GreenTec_Torsten und Aida Schreiber

    Dieselgeneratoren sind mittlerweile überholt: zu teuer, zu schädlich für Mensch und Umwelt. Sonne gibt es in Mali hingegen im Überfluss. Die notwendigen Stromleitungsnetze hatte die Weltbank im Rahmen eines Entwicklungsprojekts um die Jahrtausendwende in mehreren hundert Dörfern verlegt. Wo noch keine Netze bestehen, errichtet das hessische Energieunternehmen Stromnetze, so genannte local grids.

    Dezentrale Energieversorgung für mehr Selbstbestimmung

    Africa GreenTec baut mobile Container, die mit einer Solaranlage ausgestattet sind, die „Solartainer“. Diese Anlagen werden in die Dörfer geliefert, aufgebaut, gewartet und betrieben. Dafür bildet das Unternehmen die Bewohner selbst vor Ort aus, um die Anlagen eigenständig zu warten und zu betreiben.

    Der daraus gewonnene Solarstrom wird direkt an die Dorfbewohner verkauft und damit Umsätze erwirtschaftet. „Das ist ein anderer Ansatz als bei klassischer Entwicklungshilfe, die wenig sinnvoll ist. Wir begegnen der lokalen Bevölkerung auf Augenhöhe und wollen langfristige Beziehungen aufbauen“, erklärt Torsten Schreiber. Die Menschen werden zu mehr Selbstbestimmung und Wachstum befähigt und sind nicht auf fortlaufende Subventionen und Hilfen angewiesen, die dann irgendwann ausbleiben, woraufhin die Anlagen vor Ort bald nicht mehr zu gebrauchen sind. „Bau von Ruinen“ nennt Schreiber das.

    CrowdDesk_Africa GreenTec

    Das zukünftige Geschäftsmodell von Africa GreenTec sieht das Dorf selbst als genossenschaftlich organisierte Betreiber. Davon profitieren die Bewohner, aber auch kleine Handwerksunternehmen oder Gemüsehändler. Die Überschüsse, die die Betreibergesellschaften erzielen, werden in die Wartung und Weiterentwicklung der Anlagen reinvestiert – und nicht zur Gewinnmaximierung verwendet.

    So hat Africa GreenTec in den vergangenen fünf Jahren 21 Solarcontainer in Afrika aufgebaut. 20 davon in Mali, einen im Nachbarland Niger. 17 dieser Anlagen seien bereits in Betrieb und verkaufen Strom, wodurch rund 100.000 Menschen versorgt werden. Ziel des Unternehmens ist es, bis 2030 mindestens drei Millionen Menschen mit Elektrizität zu beliefern. Das Potenzial ist groß. Laut einer Studie der Weltbank soll der Markt für dezentrale Energieversorgung in den kommenden zehn Jahren um das zehnfache wachsen.

    CrowdDesk_Africa GreenTec_Local Grids

    Ausreichend Sonne und ein umfassender Markt, der mit Strom versorgt werden kann: Die Bedingungen für den Erfolg von Africa GreenTec sind gegeben. Einzig an der Finanzierung hapert es noch. Institutionelle Investoren schrecken weitestgehend vor Ländern wie Mali und Niger zurück. Helfen soll deshalb die Crowd. Torsten Schreiber hat sich bereits früh mit Schwarmfinanzierungen auseinandergesetzt; bettervest war einer der ersten Anbieter am Markt. Der erste Solartainer von Africa GreenTec war auch gleichzeitig das erste Crowdinvesting in Deutschland, das in Afrika umgesetzt wurde und gilt bis heute als das Pionier- und Leuchtturmprojekt.

    Genussrechte für die Unternehmensfinanzierung

    Ein erster Schritt ist mit der White-Label-Lösung von CrowdDesk getan. „Auf unserer Fundingpage können sich Investoren über Genussrechte an unserem Unternehmen beteiligen“, sagt Schreiber. Die Software von CrowdDesk bildet dieses Finanzinstrument ab. Für ihn und sein Team sind Genussrechte der wesentlich sinnvollere Weg beim Crowdfunding. „Als AG haben wir das Genussrecht so ausgestaltet, dass es als virtuelle Vorzugsaktie funktioniert“, sagt Jörg Puschmann. Er ist Projektmanager bei Africa GreenTec und war zuvor für die Crowdinvesting-Plattform econeers tätig, die nachhaltige Energieprojekte in Deutschland finanziert. „So partizipieren Investoren direkt am Bilanzgewinn und an der Unternehmenswertsteigerung. Das ist für uns die ehrlichere und einfachere Art als beispielsweise ein Nachrangdarlehen.“

    Africa GreenTec vereint verschiedene Crowdfunding-Arten auf neuer Plattform

    Für Torsten Schreiber und seine Kolleginnen und Kollegen ist die aktuelle Einzelemission erst der Anfang: „Daraus wird noch in diesem Jahr eine neue Crowdinvesting-Plattform entstehen.“ Auf der neuen Plattform können sich Investoren direkt an den Standorten und dem Aufbau von Infrastruktur beteiligen. Diese multifunktionalen Versorgungsnetze für ländliche Regionen im globalen Süden nennt Schreiber „ImpactSites“. Dazu gehören neben den Solarcontainer auch Solarpumpen, Anlagen zur Trinkwasseraufbereitung oder Stromnetze. Es wird aber auch möglich sein, Micro-Darlehen an die lokale Bevölkerung zu vergeben oder das Geld an Projekte zu spenden.

    CrowdDesk_Africa GreenTec_ImpactSite

    Crowdinvesting, Crowdlending, donation-based und reward-based Crowdfunding: Neben Genussrechten ist die CrowdDesk-Software auch in der Lage alle diese Finanzinstrumente auf einer Plattform abzubilden. Somit ermöglicht Africa GreenTec nicht nur die Finanzierung von Projekten, die eine monetäre Rendite bieten. Durch diesen Ansatz kann sich jeder einbringen und Projekte unterstützen, individuell nach den eigenen Möglichkeiten. So können unterschiedliche Investorengruppen mit individuellen Vorstellungen angesprochen werden. Das ist insofern ungewöhnlich, als das eine Plattform sich in der Regel nur auf eine Art der Schwarmfinanzierung oder sogar nur eine Art von Projekten konzentriert.

    „Viel Sonne, viel Africa GreenTec“

    Das Energieunternehmen konzentriert sich aber nicht nur auf Afrika. „Die ImpactSites sind überall dort relevant, wo dezentrale Energie-, Wasser- oder Kommunikationsversorgung gefragt ist“, weiß Schreiber. Dafür gebe es vor allem im globalen Süden einen enormen Bedarf. Er schätzt, dass es rund eine Million ImpactSites gibt, die Africa GreenTec aufbauen und betreiben könnte.

    In Malis Hauptstadt steht indes noch immer das Dieselkraftwerk, das für Torsten und Aida Schreiber die Initialzündung für ihr Unternehmen war. Die beiden konzentrieren sich aber in erster Linie auf die dezentrale Energieversorgung in dem Land. Damit können sie direkt dort einen Unterschied machen, wo sie gebraucht werden. Denn: „Wo viele Sonne ist, dort wird es auch viel Africa GreenTec geben.“

     

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