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    Crowdinvesting für Banken: „Unsere Außenwahrnehmung hat sich verändert“

    Claus Reder ist Vorstandsmitglied der Volksbank Raiffeisenbank Würzburg eG, die als erste VR-Bank Deutschlands eine Crowdinvesting-Plattform ins Leben gerufen hat. Ein Gespräch über Schwarmfinanzierungen als neues Ertragsmodell, die veränderte öffentliche Wahrnehmung durch die VR-Crowd und den Umgang mit skeptischen Mittelständlern.

    Herr Reder, haben Sie schon einmal in ein Crowdfunding- oder ein Crowdinvesting-Projekt investiert?

    Ja, ich investiere regelmäßig in Schwarmfinanzierungsprojekte. Zuletzt war das ein Vorhaben der Schaden Zentrum Mainfranken GmbH auf der Crowdinvesting-Plattform VR-Crowd. 

    Seit 2013 bieten deutsche VR-Banken mit „Viele schaffen mehr“ ein Crowdfunding-Konzept an und fördern so gesellschaftliches Engagement in den jeweiligen Regionen. Im vergangenen Jahr hat dann die VR-Bank Würzburg gemeinsam mit CrowdDesk die erste Crowdinvesting-Plattform „VR-Crowd“ ins Leben gerufen. Wieso dieser Schritt?

    Wir haben bereits 2016 damit begonnen, neue Geschäftsfelder für uns zu identifizieren, die möglichst nah am Kerngeschäft liegen – und die idealerweise auf den Markenkern der VR-Bank Würzburg einzahlen. Schwarmfinanzierungen passen perfekt dazu. Denn sie übersetzen den genossenschaftlichen Gedanken „Was einer alleine nicht schafft, das schaffen viele gemeinsam“ ins Digitalzeitalter. Markenbildung war also ein wichtiger Aspekt dafür.

    Was waren weitere Gründe?

    Wir hatten viele Anfragen von Unternehmen, die zwar dringend in neue Projekte investieren wollten, aber aufgrund von fehlendem Eigenkapital diese Investitionsvorhaben nicht alleine hätten stemmen können. Mit dem Mezzanine-Kapital und einem Nachrangdarlehen können diese Investitionen dennoch in Angriff genommen werden.

    Wie sind Sie mit diesen Kunden umgegangen, bevor es Crowdinvesting gab?

    Wir haben versucht direkte Beziehungen zu Investoren, wie z. B. Business Angels, herzustellen. Das klappt in manchen Fällen, aber oft auch nicht. Das war uns zu wenig. Wir wollten unseren Kunden ein standardisiertes und strukturiertes Geschäftsmodell bieten – und sind so auf CrowdDesk gestoßen.

    CrowdDesk_VR-Crowd_Crowdinvesting

    Welche Vorteile hat die VR-Bank Würzburg davon?

    Die öffentliche Wahrnehmung der VR-Bank Würzburg hat sich grundlegend geändert. Crowdinvesting ist ein Geschäftsmodell, bei dem man im ersten Moment nicht an eine Volks- und Raiffeisenbank denkt. Damit assoziiert man eher Begriffe wie Tradition und Trägheit ein – und nicht Modernität und Dynamik. In der Außenwahrnehmung werden wir jetzt als Anbieter einer volldigitalisierten Finanzdienstleistung gesehen. Das hat definitiv einen positiven Einfluss auf unsere Marke und unser Image.

    Wie drückt sich diese veränderte Wahrnehmung auf Seiten der Privatkunden aus?

    Unsere Privatkunden kommen aktiv auf uns zu, und erzählen uns, dass sie in dieses oder jenes Crowdinvesting-Projekt investiert haben. Sie sind stolz darauf, jetzt Teil der Crowd zu sein. Denn sie können selbstbestimmt an einem innovativen Finanzierungsmodell teilhaben und Vorreiter auf diesem Gebiet sein. Das ist für viele attraktiv.

    Und auf Seiten der Firmenkunden?

    Wir werden als modernes Geldinstitut gesehen, das mit der Zeit geht und den Unternehmen neue Wege der Finanzierung aufzeigt und zugänglich macht. Das betrifft sowohl Unternehmen, die schon Kunde bei uns sind. Aber auch Unternehmen, die noch nicht Kunden bei uns sind, kommen von sich aus auf uns zu, und fragen nach, was es mit Crowdinvesting auf sich hat.

    Wir werden als Anbieter einer volldigitalisierten Finanzdienstleistung wahrgenommen.

    Crowdinvesting zahlt aber nicht nur auf die Markenbildung ein. Es ist auch ein neues Geschäftsmodell für Banken. Gibt es eine Art Hebelwirkung für neue Erträge?

    Absolut. Einerseits bietet uns die VR-Crowd selbst ein zusätzliches Ertragsmodell durch die Vergütungen. Andererseits – und das ist unser wichtigstes Anliegen – können wir Kreditvergaben mit Fremdkapital aus unserer Bilanz möglich machen. Und das wäre zuvor in manchen Fällen nicht der Fall gewesen.

    Was sind die Argumente, um Privatkunden von einem Crowdinvestment und der VR-Crowd zu überzeugen?

    Das sind zum einen die nach unseren Standards und Vorgaben geprüften Projekte, die auf der Plattform angeboten werden. Wir als VR-Bank Würzburg stehen dann natürlich stellvertretend für Solidität und Nachhaltigkeit. Außerdem ist es für unsere Kunden ein kostenfreies Investment: Wenn ich 500 Euro anlege, dann kommen auch 500 Euro beim Projekt an und es gibt keine Gebühren, die noch zusätzlich anfallen – anders als beispielsweise bei einem Fonds.

    Wie gehen Sie bei der Projektauswahl für die VR-Crowd vor? Treten Ihre Firmenkunden an Sie heran oder umgekehrt?

    In den seltensten Fällen wissen Unternehmen etwas mit alternativen Finanzierungen anzufangen. Es ist eher so, dass Firmenkunden mit einem Investitionsvorhaben auf uns zukommen. Dann kommt es zum üblichen Prozess einer Finanzierungsstrukturierung und Prüfung. Im Zuge dessen stellt sich schnell heraus, ob die notwendigen Eigenkapitalmittel vorhanden sind.

    Die VR-Crowd bietet uns auf zwei Wegen ein neues Ertragsmodell: durch Vergütungen sowie die Vergabe von Krediten mit Fremdkapital aus unserer eigenen Bilanz.

    Und wenn diese nicht vorhanden sind?

    Unser Firmenkundenbetreuer verweist auf alternative Finanzierungsformen, um das fehlende Eigenkapital zu generieren. Dann kommen wir auf die Crowd zu sprechen, mit der sich die bestehende Eigenkapitallücke schließen lässt.

    Wie nehmen Ihre Firmenkunden das an?

    Bisher sehr gut, weil unsere Firmenkundenberater eine klare Nutzenargumentation haben, die über die Generierung von Eigenkapital hinausgeht. Sie sprechen den Marketingeffekt an, der mit einer Schwarmfinanzierung einhergeht. Oder weisen darauf hin, dass es ein Instrument zur Bindung von Mitarbeitern ist. Außerdem empfinden viele Mittelständler den Ansatz, eine solche Finanzierung angeboten zu bekommen, sehr innovativ.

    Auch wenn er dann nicht darauf eingeht?

    Ja, weil wir ihm überhaupt die Möglichkeit aufgezeigt haben, dass es auch auf einem anderen Weg geht. Eine Sparkasse oder andere Banken in unserer Region können das nicht bieten.

    Dennoch gehen derzeit nur wenige Mittelständler darauf ein. Woran hakt es?

    Mittelständler haben noch Angst vor der Transparenz, die mit einem Crowdinvesting einhergeht. Hier bekommen Anleger, die sich eigentlich nicht mit Bilanzstrukturen auseinandersetzen, einen Einblick in ein Unternehmen. Das erfordert eine gewisse Offenheit, um mit solchen Themen umzugehen. Zu vielen Mittelständlern ist es aber einfach noch nicht durchgedrungen, dass Eigenkapital nicht zu einem Zinssatz von 1,5 Prozent zu bekommen ist.

    Können Sie den mittelständischen Unternehmen diese Angst nehmen?

    Das ist etwas, das wir schwer beeinflussen können. Im Prinzip hat jeder Anleger unabhängig davon einen Einblick ins Unternehmensregister und kann dort die entsprechenden Informationen einsehen. Selbstverständlich ist die Hürde größer, als bei einem Crowdinvesting. Aber ein gewisses Maß an Offenheit bringt eine Schwarmfinanzierung einfach mit sich. Es sollte von Unternehmen eher als Chance gesehen werden, schneller an Kapital zu gelangen. Denn Anleger schätzen Offenheit und sind vielmehr bereit, dann auch zu investieren.

    Vielen Dank für das Gespräch, Herr Reder!

     

    Digitale Finanzierungsinstrumente  bieten Banken ein weiteres attraktives Ertragsmodell. Sie haben Interesse daran? Dann nehmen Sie gerne unverbindlich Kontakt mit einem CrowdDesk-Berater auf.

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