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    Enapter-Chef Sebastian-Justus Schmidt: „Wasserstoff ist ein Game-Changer im Energiemarkt“

    CO2-neutral Wasserstoff gewinnen und mit innovativer Technologie erneuerbare Energien speichern: Mit seiner AEM-Elektrolyse (Anion Exchange Membrane) will Enapter den Energiemarkt revolutionieren. Wie es dazu kam, was sein Privathaus in Thailand damit zu tun hat und warum er seinem Vater zum Crowdinvestment in sein Start-up raten würde – darüber haben wir mit CEO Sebastian-Justus Schmidt gesprochen.

    Herr Schmidt, warum ist die Energiespeicherung entscheidend bei der Umsetzung der Energiewende und dem Einsatz von erneuerbaren Energien?

    Die Energienachfrage steigt genauso wie der Anteil der erneuerbaren Energien – das Problem ist jedoch die Speicherung von Sonnen- und Windenergie. In den letzten Jahren sind die Preise für erneuerbare Energien gesunken, wodurch sie heute die günstigsten Energielieferanten sind. Produzierter Überschussstrom muss gespeichert werden, um damit eine ständige und zuverlässige Stromversorgung sicherzustellen, da erneuerbare Energien das nicht immer gewährleisten. Deshalb werden Speichertechnologien zum entscheidenden Faktor für eine erfolgreiche Energiewende – und das weltweit.

    Enapter hat einen modularen und wirtschaftlichen Weg zur dezentralen Nutzung von grünem Wasserstoff entwickelt, der auch noch gespeichert werden kann. Wie kamen Sie auf diese Idee?

    Ich habe für mein Privathaus in Nord-Thailand im Jahr 2014 eine zuverlässige Speicherlösung von Energie gesucht. So stieß ich auf die Lösung, Wasserstoff aus Solarenergie zu produzieren, die auch die sonnenfreien Phasen in der Regenzeit gut überbrückt. Anfang 2015 war das Haus dann das erste energieautarke und CO2-neutrale Mehrfamilienhaus. Als Ende 2017 genau das Unternehmen in Italien verkauft wurde, bei dem ich 2014 meine Elektrolyseure gekauft hatte, schlug meine Stunde.

    CrowdDesk_Enapter_Wasserstoff

    Sie haben das italienische Unternehmen dann gekauft. Wieso?

    Der wesentliche Grund war deren Technologie und die Patente um die Elektrolyseure. Ich hatte zu diesem Zeitpunkt eigene Erfahrungen im mehrjährigen Dauerbetrieb von vier Geräten gemacht und war überzeugt. Die Idee zu Enapter erfolgte ein paar Wochen vor dem Kauf des Unternehmens. Der Grundgedanke war, eine neue revolutionäre Steuersoftware für Energiesysteme zu entwickeln. Das ließ sich dann hervorragend integrieren.

    Eines der größten Herausforderungen für den Massenmarkt war die Kostenfrage. Wie gelingt es Ihnen die Kosten für die Elektrolyse zu senken?

    Die AEM-Technologie kommt ohne den Einsatz von Edelmetallen aus und benötigt kein hochreines Wasser, wie es sonst bei Elektrolyseuren der Fall ist. Durch eine optimierte und industrialisierte Fertigungslinie bilden die Skaleneffekte der Massenproduktion eine enorme Einsparung der Produktionskosten bei gleichzeitig hoher Qualität.

    Welches Ziel verfolgt Enapter damit?

    Die fossilen Energien sollen schrittweise ins Museum. Das funktioniert nur mit klaren Konzepten und preislich wettbewerbsfähigen Produkten. Investitionen werden leider immer noch über die Kosten entschieden; der entscheidende Faktor sind die Herstellungskosten für Wasserstoff – und die muss man nach ganz, ganz unten bringen. Das haben wir geschafft, wenn wir mit unseren Elektrolyseuren Wasserstoff für 1,50 Euro pro Kilogramm produzieren können. Dann sind wir auf dem Preisniveau von Rohöl und eine echte Alternative.

    Und das auch noch CO2 neutral.

    Ganz genau. Wir sind davon überzeugt, dass dies ein Game-Changer im Energiemarkt werden wird. Denn wir können direkt vor Ort den Energieträger Wasserstoff gewinnen und müssen nicht kostenaufwendig und vor allem CO2-emittierend noch den Import und Transport bewältigen. Da setzen wir an.

    Wo kommt die Anion Exchange Membrane zur Wasserstoffproduktion bisher zum Einsatz?

    Wir haben Kunden aus den unterschiedlichsten Branchen auf der ganzen Welt. Industriekunden, die unsere Elektrolyseure zur Kühlung von Kraftwerken in China nutzen. Andere bewerkstelligen damit die Nitrogenreinigung in Portugal oder auch Glas-Fertigung in Indien. Unser System kommt auch bei der Lebensmittelherstellung zum Einsatz. Wir haben mehrere Anlagen für kleine Wasserstoff-Tankstellen ausgeliefert, eine Station ist bereits seit längerem in Japan im Einsatz.  

    Die Bandbreite an Einsatzmöglichkeiten ist also riesig. Wo sollen die Elektrolyseure auf Basis der Anion Exchange Membrane zukünftig eingesetzt werden?

    Durch wettbewerbsfähige Preise und die hohe Integrationsfähigkeit sehen wir ein enormes Skalierungspotenzial über die nächsten Jahre. Die Anfragen kommen derzeit verstärkt aus dem Power-2-X Bereich, um Wasserstoff direkt in Boilern zu nutzen. Wir sehen aber auch Anwendungsbereiche in Micro-Grids, die mit Wasserstoff autark werden können.

    Um diese Skalierungspotenziale zu nutzen und das Verfahren für die Massenanwendung bereit zu machen braucht Enapter Kapital. Acht Millionen Euro wurden bisher von Investoren und aus Eigenkapital investiert. Warum nun ein Crowdinvesting?

    Die Leute um uns herum spüren eine regelrechte Aufbruchstimmung. Dadurch erhalten wir viele Anfragen: Wie kann man Euch helfen? Ich treffe viele Personen, die das Konzept gut finden, die Art und Weise „einfach loszulegen“ und auch an den Erfolg unserer Sache glauben. Bei einigen Interessenten steht mehr im Vordergrund, eine gute Sache zu unterstützen, statt daraus einen monetären Vorteil zu erwirtschaften. Enapter bietet beides. Außerdem hat sich mein Vater beschwert: er möchte auch sein Geld sinnvoll anlegen und nicht zu der Bank tragen. Das kann ich doch nicht überhören.

    CrowdDesk_Enapter_AEM_Wasserstoff

    Aber ein Investment in ein Start-up ist immer mit hohen Risiken verbunden. Was sagen Sie Ihrem Vater und Investoren, die diese Bedenken äußern?

    Dass es immer Risiken gibt und geben wird. Ich glaube, dass Risiken in allen Lebensbereichen zugenommen haben. Wachsender Protektionismus, komplizierte Friedensicherung und die Klimaerwärmung. Auch der Markt könnte sich anders entwickeln als erwartet. Bauverzögerungen könnten eintreten, Kundenzahlungen ausfallen. Dies sind unternehmerische Risiken, die ein Investor mit seinem Investment mitträgt. Ein Investor muss sich der Risiken genauso bewusst sein wie der Chancen. 

    Worin sehen Sie diese Chancen?

    Enapter baut patentgeschützte, sichere Systeme, die die Energiesicherung auf lokaler, dezentraler Ebene ermöglichen. Systeme, die technisch nicht abhängig von endlichen Rohstoffen sind. Und jedes Enapter-System reduziert den CO2-Fußabdruck und die Nutzung von fossilen Energieträgern. Das sind Potenziale, die sich nicht wegdiskutieren lassen.

    CrowdDesk_Enapter_Sebastian-Justus Schmidt

    Warum sollten Privatanleger in Enapter investieren?

    Wir möchten Wasserstoff für jedermann machen. Durch die Massenproduktion unserer Technologie können wir unsere Elektrolyseure in den nächsten fünf Jahren so günstig anbieten, dass der damit produzierte Wasserstoff es mit fossilen Energieträgern aufnehmen kann. In den vergangenen zwei Jahren hat Enapter bedeutende Auszeichnungen im Energie Segment gewonnen: von DENA und dem World Energy Council, über Shell´s New Energy Challenge bis zum Handelsblatt Energy Award. Für das gesamte Enapter Team sind diese Auszeichnungen ein Zeichen dafür, das wir auf dem richtigen Weg sind. Wer, so wie wir, an die Zukunft von Wasserstoff glaubt, sollte sich Enapter als Investitionsmöglichkeit anschauen. Unser Konzept der Skalierung ist klar.

    Warum ist Crowdinvesting gerade für ein Start-up so interessant?

    Ich denke, dass ein Crowdinvesting auch eine Art Pulsmessen ist: Es hilft uns dabei, Aufmerksamkeit zu schaffen. Als Start-up kann man sehen, wie man in einem weit gestreuten Kreis von meistens finanziell erfahrenen Personen gesehen wird. Das tut jedem jungen Unternehmen gut. Deshalb sind wir supergespannt auf die Ergebnisse.

    Was hat Enapter mit dem Kapital vor?

    Wir bereiten den Schritt zur Massenproduktion vor. Dafür wollen wir in Deutschland einen Campus errichten, an dem hunderte neue Arbeitsplätze entstehen werden. Das eingesammelte Kapital ist Teil einer Gesamtfinanzierungsstrategie, bestehend aus Eigenkapital- und Fremdkapitalmaßnahmen. Damit werden die laufenden Kosten und Investitionen finanziert.

    „Die White-Label-Lösung von CrowdDesk ist günstiger im Vergleich zu den Plattformen – und von jeder Einsparung profitieren die Investoren.“

    Viele Start-ups wenden sich an Plattformen über die sie Kapital einsammeln. Wieso geht Enapter den Weg über eine White-Label-Lösung mit eigener Fundingpage? 

    Durch viele Presseartikel in unterschiedlichen Medien haben wir unsere Sichtbarkeit erhöht und die Anfragen haben sich gehäuft. Auch die gewonnen Awards haben dabei geholfen. Man kennt Enapter mittlerweile. Unser CFO hat mich dann auf CrowdDesk aufmerksam gemacht. Die White-Label-Lösung ist übrigens günstiger im Vergleich zu den Plattformen – und von jeder Einsparung profitieren die Investoren.

    Wie sieht die Zukunft von Enapter aus? Wo möchte das Unternehmen in zwei Jahren stehen?

    Wir haben einen konkreten Plan über die nächsten Entwicklungen. Nach einem Jahr Entwicklung kommt nun die zweite Generation unserer Elektrolyseure, ein Wasserstoffgenerator mit der Modellbezeichnung EL 2.1, auf den Markt. Das System ist acht Prozent effizienter und gleichzeitig 20 Prozent kleiner. Zudem ist es deutlich günstiger. Der Weg für den Elektrolyseur der dann in Massenproduktion gefertigt werden soll, ist damit vorgezeichnet.

    Vielen Dank für das Gespräch, Herr Schmidt!

     

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