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    Kapital Digital Featured | 7 Min Lesedauer

    Entwicklungs- und Schwellenländer: Neue Märkte für Green Investments?

    Green Investments liegen im Trend. Anlegerinnen und Anleger allerdings nicht nur in Industrieländern in nachhaltige Geldanlagen  investieren. Auch Entwicklungs- und Schwellenländer bieten großes Potenzial für ein sinnvolles Investment. Genau darauf hat sich frankly.green spezialisiert.

    Notwendigkeit für einen globalen grünen Wandel

    Die Bekämpfung des Klimawandels ist längst nicht nur eine Frage der Generationengerechtigkeit oder eine diffuse Bedrohung für unsere Kinder und Kindeskinder. Wir spüren die Folgen des Klimawandels bereits hier und heute. Soweit, so klar. Man kann nüchtern festzustellen, dass wir grüner werden müssen. Das gilt für uns hier in Deutschland ebenso wie für Entwicklungs- und Schwellenländer. Das ist kein Alarmismus oder Ideologie, sondern unbedingte Notwendigkeit.

    Für eine nachhaltige und grüne Wirtschaft benötigen wir substanzielle Investments. Alleine, um die Energieversorgung im Einklang mit dem Pariser 1,5-Grad-Ziel zu bringen, müssen wir nach Modellierungen des Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC) jährliche Summen im Bereich von 1,6 bis 3,8 Billionen US-Dollar bis 2050 investieren. Insgesamt wurden 2016 für die globale Energieversorgung geschätzte 1,7 Billionen US-Dollar investiert.

    Green Investments wachsen kontinuierlich

    Die gute Nachricht: in 2019 handelte es sich beim weltweiten Kapazitätszuwachs bei fast 78 % um erneuerbare Energien (große Wasserkraftwerke nicht berücksichtigt); Green Investments in erneuerbare Energien waren dreimal so hoch wie in neue fossile Anlagen. Die schlechte Nachricht: der weltweite Anteil erneuerbarer Technologien am Energiemix 2019 beträgt nur 13,4% (in 2018 12,4% und in 2009 5,9%).

    CrowdDesk_Grüne Investition

    Diese Statistiken aus dem Energiesektor verdeutlichen, dass es eines Wandels bedarf; Investments müssen in großem Stil in grüne Geldanlagen gelenkt werden. Neue Geschäftsmodelle müssen sich durchsetzen, andere können angepasst werden. Einigen Sektoren werden keinen Platz in einer grünen Zukunft haben. Während der Wandel eine Gelegenheit für Viele darstellt, kann und wird er schmerzhafte Folgen für Einige mit sich bringen.

    Was hat das mit "neuen Märkten" zu tun?

    Da es sich beim Klimawandel um ein globales Problem handelt, müssen nicht nur Industrienationen den Übergang in eine grüne Wirtschaft stemmen, sondern auch Entwicklungs- und Schwellenländer. Von vielen hiesigen Unternehmen oder Investoren werden sie immer noch als "neue Märkte" bezeichnet.

    Für diese Länder geht es primär darum, der Bevölkerung durch Wachstum einen Weg aus der Armut zu ermöglichen. Oftmals ist hierbei schnelles Wachstum um jeden Preis die Devise. Gleichzeitig sind die finanziellen Spielräume geringer. Entsprechend stellt sich die Fragen, ob schnelles und grünes Wachstum im Widerspruch stehen. Anders gefragt: Können Green Investments eine beschleunigte und gleichzeitig nachhaltige – kurzum: grüne – Entwicklung fördern?

    "Im heutigen Afrika erkennen wir, dass Handel und Investitionen, und nicht die Entwicklungshilfe, die Säulen der Entwicklung sind."  (Paul Kagame, Präsident von Ruanda)

    Bereits seit fünf Jahren überwiegt der Anteil von Investitionen in Geldanlagen, die erneuerbare Energie in Entwicklungs- und Schwellenländern fördern gegenüber Industrienationen (siehe Grafik). Vor allem China und Indien investieren viel und sind Treiber dieser Entwicklung.

    Grüne Investments in Erneuerbare Energie, Industrienationen vs. Entwicklungs- und Schwellenländer (2004-2019; in Mrd. US-Dollar)

    CrowdDesk_Grüne Investition_Erneuerbare Energie

    Hinweis: Die Werte enthalten Schätzungen für nicht öffentliche Transaktionen. Die Volumen basieren auf den OECD-Ländern ohne Mexiko, Chile und der Türkei. Quelle: Frankfurt School-UNEP Centre/BNEF, 2020: Global Trends in Renewable Energy Investment 2020.

    Das Volumen in anderen Entwicklungs- und Schwellenländern steigt ebenfalls stetig, allerdings von deutlich niedrigerem Ausgangsniveau. Aus Sicht von Investoren gibt es einige Risiken in diesen Märkten. Hierzu gehört u. a. das Länderrisiko, die geringere Tiefe des lokalen Finanzmarktes und des Bankensektors, die Volatilität der lokalen Währung sowie Überschuldung.

    Entwicklungs- und Schwellenländer sind in der Regel anfälliger für Schocks. Dies zeigt sich auch in der Bewältigung der COVID-19 Pandemie. Der Verlauf der Krise scheint in einigen Ländern weniger schlimm als befürchtet zu sein. Dennoch hat die Pandemie Regierungen und Unternehmen den Zugang zu Finanzierung weiter erschwert. Entsprechend fallen nationale Konjunkturpakete ebenfalls kleiner aus; es ist schlicht weniger finanzieller Spielraum vorhanden.

    Es gibt allerdings einige Programme zur Bekämpfung der Krise. Der Internationale Währungsfonds bietet Mitgliedsländern finanzielle Unterstützung und Schuldenerlasse an, sodass Regierungen handlungsfähig bleiben. Außerdem bieten viele Entwicklungsbanken Sonderprogramme.

    Green Recovery nach der Coronakrise

    So schwierig die momentane Lage aufgrund der Pandemie und ihrer Folgen erscheinen mag, gibt es doch positive Anzeichen und gute Gründe für Green Investments in Entwicklungsländern. Neben den oben genannten Risiken sollten Investoren sich daher auch mit den Chancen auseinandersetzen. Hierzu gehören ganz eindeutig die junge Bevölkerung und die Dynamik in vielen Entwicklungsländern.

    CrowdDesk_Green Recovery_Grüne Investitionen

    In Sub-Sahara Afrika werden 2050 mehr als eine Milliarde Menschen unter 25 Jahre alt sein. Die Weltbank schätzt, dass die Wirtschaft auf dem Kontinent im kommenden Jahr wieder wächst. Viele Länder haben die Möglichkeit ergriffen und notwendige Reformen durchgeführt.

    Green Investments jetzt richtig einsetzen

    Während die Pandemie viele lateinamerikanische Länder hart getroffen hat, konnten nationale Regierungen größere Konjunkturprogramme bereitstellen, sodass die Weltbank ebenfalls eine deutliche Erholung in 2021 erwartet. Der ostasiatisch-pazifische Raum scheint die wirtschaftlichen Folgen der Pandemie noch schneller überwinden zu können.

    Treu nach dem Motto, dass in jeder Krise eine Chance steckt, sollte man so auch den Wiederaufbau begreifen. Die Krise bietet die Gelegenheit, den Wandel zu einer grünen und nachhaltigen Wirtschaft mit Nachdruck anzugehen und darin zu investieren. Darüber hinaus kann gerade die steigende Verschuldung dazu führen, dass zukünftig noch weniger Mittel für Green Investments zur Verfügung stehen. Entsprechend müssen die richtigen Weichen jetzt gestellt werden, Stichwort Sustainable Finance. Die deutsche Entwicklungsbank konstatierte erst kürzlich: "Grundsätzlich bieten nachhaltige/grüne Konjunkturpakete höhere volkswirtschaftliche Renditechancen als konventionelle Pakete."

    "Grundsätzlich bieten grüne Konjunkturpakete eine höhere volkswirtschaftliche Renditechance als konventionelle Pakete." (Deutsche Entwicklungsbank)

    Welche Chancen gibt es?

    Die Financial Times stellte am 12.10.2020 fest: "Wirkungsorientierte Investoren können kleinen und mittelständischen Unternehmen in Entwicklungsländern helfen, die Auswirkungen der Pandemie zu überleben." Wirkungsorientiertes Investment – oder auch Impact Investment – bietet hierbei verschieden Chancen für Investoren. Investments in Entwicklungsländern stehen gewisse Risiken gegenüber, entsprechend hoch ist die Renditeerwartung. Außerdem sind solche Investments häufig eine geeignete Strategie zur Diversifizierung eines existierenden Portfolios.

    In erster Linie bieten wirkungsorientierte Investments jedoch die Möglichkeit, positive Wirkung zu realisieren. Hierzu gehören geschaffene Jobs, Zugang zu Energie, Förderung von Frauen und vieles mehr. Außerdem kann hierbei auf die Einhaltung von Umwelt- und Sozialkriterien sowie Governance Standards (ESG) geachtet werden. Für Investoren handelt es sich bei Green Investments daher um etwas, das deutlich über das finanzielle Interesse hinaus geht.

    Wie können Anleger sicher sein, dass die Investitionen tatsächlich grün sind?

    Die EU sieht die Notwendigkeit einer allgemeinen Definition für Green Investments: "Öffentliches Investment wird nicht ausreichen und private Investoren müssen bei der Finanzierung von klimafreundlichen Projekten einsteigen. Das bedarf klarer Kriterien, die besagen was genau eine nachhaltige und umweltfreundliche Geldanlage ist. Sonst werden einige Mittel möglicherweise für "Grünfärberei" verwendet; d. h. für Projekte, die behaupten grün zu sein, es aber nicht sind."

    Entsprechend enthält die Taxonomie sechs Umweltziele, die zunächst für die Mitgliedstaaten anwendbar sind. Sie besagen, dass eine Aktivität als umweltverträglich und grün eingestuft werden kann, wenn es zu einem dieser Ziele beiträgt, ohne ein anderes erheblich zu schaden (do-no-harm Prinzip). Das do-no-harm Prinzip stellt sicher, dass eine Aktivität der Umwelt nicht mehr Schaden zufügt, als dass sie nützt. Grundsätzlich sollen Green Investments ebenso Menschen- und Arbeitsrechte respektieren. Die Umweltziele sind:

    • - Aktivitäten, die zur Vermeidung/Verminderung des Klimawandels beitragen (Reduzierung bzw. Vermeiden von Emissionen)
    • - Anpassung an den Klimawandel (Vermeidung oder Reduzierung der Effekte des Klimawandels)
    • - Nachhaltige Nutzung und Schutz von Wasser und maritimen Ressourcen
    • - Übergang zu einer Kreislaufwirtschaft (Fokus auf Wiederverwendung und Recycling von Ressourcen)
    • - Vermeidung und Kontrolle von Verschmutzung
    • - Schutz und Wiederherstellung von Biodiversität und Ökosystemen

    Wie kann ich mitwirken und teilhaben?

    Die Frankfurt School of Finance & Management berät und forscht seit langem zum Thema Green Investments, Klimafinanzierung, Nachhaltigkeit und EU Taxonomie. FS Impact Finance, eine 100%-ige Tochter der Frankfurt School, ist als Finanzdienstleister ausschließlich im Bereich wirkungsorientierter Investments tätig.

    Gemeinsam haben beide Unternehmen mit der technischen Infrastruktur von CrowdDesk frankly.green – eine neue Crowdinvesting-Plattform – ins Leben gerufen. Sie vermittelt ausschließlich Green Investments in Entwicklungsländern und ist an die EU Taxonomie angelehnt. Anleger haben so die Chance in nachhaltige und sinnvolle Geldanlagen zu investieren.

    Das erklärte Ziel von frankly.green ist, Green Investments in Entwicklungsländer zu realisieren. Grün sind solche Investitionen, die (direkt oder indirekt) eine nachhaltig positive Wirkung auf die Umwelt und damit auch auf die Wirtschaft und die Gesellschaft im Allgemeinen hat. frankly.green hat sich damit der so genannten Triple-Bottom-Line (Dreifachbilanz) verschrieben.

    CrowdDesk_frankly.green

    Der Launch der ersten Kampagne in Ghana steht unmittelbar bevor und wird noch im Jahr 2020 online gehen. Ruanda und Peru sind kommende Partnerländer, weitere sollen folgen. Interessierte können sich auf www.frankly.green anmelden und als erste von der Kampagne erfahren.

     

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    Tobias Panofen

    Tobias Panofen ist Senior Projektmanager bei der Frankfurt School of Finance & Management und verantwortlich für das erneuerbare Energie Portfolio des FS-UNEP Centres. Außerdem ist er Operations Manager der kommenden Crowdinvesting Plattform frankly.green, die die FS gemeinsam mit FS Impact Finance aufsetzt.

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