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    Kapital Digital Featured | 4 Min Lesedauer

    In welcher Phase ist Crowdinvesting für ein Start-up sinnvoll?

    Crowdinvesting kommt mittlerweile bei zahlreichen Unternehmen und in den unterschiedlichsten Branchen zum Einsatz. Ursprünglich finanzierten sich vor allem Start-ups über die Crowd. In welcher Phase ist das bei jungen Unternehmen sinnvoll?

    Die Zahlen können sich sehen lassen: Über 1,1 Mrd. Euro wurden in den Jahren 2011 bis 2019 kumuliert über Crowdinvesting in Projekte und Unternehmen investiert. Treiber ist insbesondere der Immobiliensektor, aber auch das Crowdinvesting im Bereich erneuerbarer Energien entwickelt sich vielversprechend.

    Der Crowdinvesting-Markt für Unternehmensfinanzierungen erzielte ein Plus von 5,2 % im Jahr 2019 und setzt damit sein Wachstum fort, wenngleich es nicht so groß ausfällt wie in 2018 (+26,4 %). 2019 entfielen auf den Bereich der Start-up-Finanzierung 19,5 Mio. Euro. Sie machten damit knapp ein Viertel aller Unternehmensfinanzierungen über die Crowd aus.

    Entwicklung: Crowdinvesting für Start-ups

    Das Finanzierungen über Crowdinvesting sich bisher noch nicht flächendeckend durchgesetzt haben, zeigt auch der aktuelle Start-up Monitor 2020. Hier gaben lediglich 4,3 % der befragten Start-ups an, Crowdinvesting als Finanzierungsquellen zu nutzen. Zudem nennen im Vergleich zum Vorjahr nur 9,5 % der Start-ups das Crowdinvesting als eine bevorzugte Finanzierungsquelle, während es im 2019 noch 12,3 % waren.

    Die Gründe dafür, dass Crowdinvesting bei Deutschlands GründerInnen eine untergeordnete Rolle spielt, sind vielfältig. Beispiele wie das Mehrweg-Versandbox Start-up Livingpackets, das seine Crowdfunding-Kampagne nach Anweisung der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) aussetzen musste, tragen nicht dazu bei, dass sich der Wunsch der GründerInnen ihr Start-up über ein Crowdinvesting zu finanzieren vergrößert.

    Gerade mit Blick auf die veränderten Finanzierungsmöglichkeiten während der laufenden COVID-19 Pandemie, empfiehlt es sich aber für Gründer, die die passende Finanzierungsform für ihr Start-up oder die passende Finanzierung für ein von ihrem Start-up entwickelten Produkt suchen, ein Crowdinvesting nicht vorschnell auszuschließen.

    Es hängt vom jeweiligen Business Case und dem damit verbundenen Finanzierungsbedarf des Start-ups ab, ob das Crowdinvesting eine Alternative oder Ergänzung zu gängigeren Finanzierungsformen darstellen kann. Von Anbieterseite stehen Start-ups viele Wege offen: Die Plattformen für Crowdinvesting-Kampagnen haben sich in den vergangenen Jahren merklich professionalisiert. Die Gefahr, das eigene Start-up mit einer unseriösen Kampagne zu verbrennen, ist deshalb gering.

    Zudem besteht die Möglichkeit, eigene Crowdinvesting-Kampagne ganz ohne Plattform und unter Eigenregie zu starten. Das kann für die Start-ups interessant sein, die im B2C-Bereich unterwegs sind und deren Produkt schon bekannter ist.

    Ausgangspunkt: Finanzierung über Nachrangdarlehen

    Ob sich Crowdinvesting für ein Start-up eignet, hängt auch davon ab, ob durch das eingesammelte Kapital in absehbarer Zukunft Umsätze generiert werden. Denn viele Investoren stellen wirtschaftliches Eigenkapital zur Verfügung. Die gängigste Form dieses Mezzanine-Kapitals sind Nachrangdarlehen. Die Darlehen sind verzinst und entweder endfällig oder über einen zu vereinbarenden Modus zurückzuführen.

    Es bedarf also in einem überschaubaren zeitlichen Rahmen Cashflow. Genau das ist auch der Grund dafür, warum das Crowdinvesting in den Sektoren Immobilien und erneuerbare Energien so erfolgreich ist. Sei es zur Schließung einer Eigenkapitallücke oder zur vollständigen Finanzierung des jeweiligen Projektes: Crowdinvesting ermöglicht in diesen Sektoren die Platzierung eines Projektes in einem verhältnismäßig sicheren Marktumfeld. Im Idealfall können die Darlehen über den generierten Cashflow vereinbarungsgemäß zurückgeführt werden.

    "Ob sich Crowdinvesting für ein Start-up eignet, hängt auch davon ab, ob durch das eingesammelte Kapital in absehbarer Zukunft Umsätze generiert werden."

    Crowdinvesting für Start-ups – eine Frage des Einzelfalls

    Crowdinvesting eignet sich vor allem für die Start-ups, die ähnliche projektbezogene Business Cases verfolgen. Denn anders als bei den klassischen Finanzierungsformen für Start-ups werden die Darlehensgeber, die das Start-up über das Crowdinvesting finanzieren, nicht Gesellschafter des Start-ups. Sie behalten – wenn auch nachrangig – eine Forderung gegenüber der Gesellschaft, die früher oder später erfüllt werden muss.

    Damit passt das Crowdinvesting insbesondere dann, wenn mit dem Kapital der letzte Schritt vor dem Markteintritt überbrückt wird. Dies kann der Markteintritt des Start-ups selbst oder aber auch nur der Markteintritt eines vom jeweiligen Start-up entwickelten Produktes sein. Ist der Business Case des Start-ups also die Entwicklung eines bestimmten Produktes, das sich in absehbarer Zeit in einem bereits etablierten Markt platzieren lässt, ohne dass hier größere Zulassungshürden zu nehmen sind, dann bietet sich das Crowdinvesting an.

    Crowd-Kapital kurz vor Markteintritt

    Komplizierter wird es, wenn sich der Kapitalbedarf des Start-ups über ein Crowdinvesting allein nicht stillen lässt. Denn das Crowdinvesting verträgt sich nur eingeschränkt mit anderen Finanzierungsformen. Sieht die Equity Story des Start-ups beispielsweise mehrere Beteiligungsrunden vor Markteintritt vor, wird eine zu früh gestartete Crowdinvesting-Runde die Umsetzung dieses Plans erschweren.

    Hintergrund sind oft gegenläufige Interessen der Investorengruppen. Beispielsweise interessiert sich das klassische Venture Capital nicht für den stetig im Umsatz und Gewinn wachsenden Business Case. Vielmehr ist der Investmentfokus auf Start-ups mit schneller Skalierungs- und baldiger Exitmöglichkeit gerichtet. Ein Ziel, das sich mit dem Renditezielen der Crowd-Investoren aus ihrem Nachrangdarlehen nur schwer vereinbaren lässt.

    Crowdinvesting & Corporate Venturing gut vereinbar

    Bessere Chancen, hier erfolgreich einen Finanzierungsmix auf die Beine zu stellen, bietet zum Beispiel das Corporate Venturing. Viele Unternehmen, die in Start-ups investieren, interessieren sich nicht für den schnellen Exit, sondern haben diversifizierte Ziele (z. B. Window on Technology, Know-How, IP, Technical Add Ons usw.).

    Möchten Start-ups Crowdinvesting als Finanzierungsinstrument einsetzen, sollten sie ihre Equity Story vorab genau prüfen. Eine aufwendige Equity Story kann eine Finanzierung über die Crowd erschweren. Junge Unternehmen sollten darauf achten, ob die Interessen der bereits beteiligten Investoren mit den Interessen, die ein Crowdinvesting verfolgt, zusammenpassen.

     

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    Dr. Christian Kalusa

    Dr. Christian Kalusa ist Partner bei BEITEN BURKHARDT in München. Einer seiner Tätigkeitsbereich umfasst die Beratung von Start-ups und VC-Investoren.

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