Subscribe to Email Updates

    Kapital Digital Featured | 5 Min Lesedauer

    Wie können sich Start-ups mit Crowdinvesting finanzieren?

    Für Start-ups ist es ungleich schwerer an eine Finanzierung zu gelangen als für etablierte Unternehmen. Banken scheuen sich vor der Kreditvergabe, VCs und Business Angels sind in Deutschland zurückhaltender. Wie kann Crowdinvesting bei der Kapitalbeschaffung helfen?

    Bankeninvestition in Innovation? – Häufig Fehlanzeige

    Viele Start-ups warten mit einer brillanten Geschäftsidee auf, doch Banken schrecken vor einer Kreditzusage zurück. Gerade in der Seed-Phase stellen Kreditinstitute aufgrund fehlender Sicherheiten kaum Kapital zur Verfügung. Doch diese scheue Vorgehensweise ist überdenkenswert. So erzielten laut dem Deutschen Start-up Monitor (DSM) 2019 rund 93 % der Start-ups bereits Umsätze, insbesondere im Bereich von über 150.000 Euro.

    Die derzeitige Bankenpraxis im Umgang mit Kreditanfragen von Start-ups bedeutet allerdings nicht, dass jegliches Wachstum auf Eis gelegt wären. Es gibt auch andere Wege. Längst gibt es eine alternative Finanzierungsform, die eine Realisierung des Vorhabens unabhängig von der Kreditzusage einer Bank oder größerer VC-Investoren ermöglicht: Crowdinvesting, im englischen auch Equity-based Crowdfunding genannt. Dabei beteiligen sich viele Einzelinvestoren mit vergleichsweise geringen Beträgen wirtschaftlich an einem Unternehmen.

    CrowdDesk_Startup_Crowdinvesting

    Finanzierungsbedarf und Finanzierungsmöglichkeiten für Start-Ups

    Start-ups haben einen ständigen Finanzierungsbedarf. Das liegt in ihrem Selbstverständnis, sich von einem jungen zu einem etablierten Unternehmen weiterzuentwickeln. Der Branchenverband Bitkom e.V. hat zwei Umfragen unter IT- und Internet-Startups in Deutschland zwischen Februar und Juni 2020 durchgeführt. 71 % der befragten Start-Ups gaben an, in den kommenden zwei Jahren frisches Geld zu benötigen. Der ermittelte durchschnittliche Kapitalbedarf betrug dabei 3,3 Millionen Euro. Lediglich zwei Prozent gaben an, keinen Kapitalbedarf zu haben.

    Demgegenüber stehen die Ergebnisse des DSM aus dem vergangenen Jahr. Sie deuten darauf hin, dass es insgesamt an Kapital mangelt. Für junge Unternehmen bedeutet das vor allem eine Wachstumsbremse. Auffallend dabei war auch, dass die bisher genutzten Finanzierungsquellen teilweise stark von den bevorzugten Finanzierungsquellen abweichen:

    • - Die eigenen Ersparnisse (80,3%), sowie Family and Friends (29,3%) sind eine häufig genutzte Quelle, obwohl Start-Ups diese Möglichkeiten der Kapitalaufnahme selten bevorzugen (Eigene Ersparnisse: 40,3%; Family and Friends: 13,3%).
    • - Auf der anderen Seite präferieren Start-Ups insbesondere Finanzierungen durch staatliche Fördermittel (genutzt: 39,2%; bevorzugt: 51,6%), Business Angels (genutzt: 23,1%; bevorzugt: 38,5%) und Venture Capital (VC, genutzt: 14,6%; bevorzugt: 39,7%), diese kommen jedoch nur selten zum Einsatz.
    • - Auch im Bereich des Crowdinvesting besteht eine Divergenz zwischen Nutzung und Bevorzugung: 4,3 % nutzten Crowdinvesting im Zeitraum von 2018 bis 2019 als Finanzierungsquelle, während 12,3 % diese Finanzierungsquelle bevorzugt nutzen möchten.
    CrowdDesk_Startup-Finanzierung_Deutschland-jpg

    Aus diesen Ergebnissen lässt sich zweierlei schließen. Erstens finden Start-ups hierzulande nicht die Möglichkeiten vor, mit denen sie sich bevorzugt Kapital beschaffen wollen. Auf Dauer kann dies nicht zu optimalen Ergebnissen und zu einer langfristigen Entwicklung hin zu einem etablierten Unternehmen führen.

    Zweitens lässt sich besonders im Bereich Crowdinvesting ein Wachstumspotenzial erkennen. Anlass genug, um die Möglichkeiten und Vorteile des Crowdinvesting für Start-Ups genauer zu beleuchten.

    Crowdinvesting-Marktentwicklung 

    Der Crowdinvesting-Markt in Deutschland verzeichnet seit Jahren ein starkes Wachstum. In den Jahren 2011 bis 2019 wurden kumuliert 1,1 Mrd. Euro in Projekte investiert. Fast die Hälfte davon – 422 Mio. Euro ­– allein im Jahr 2019. Das Gesamtvolumen der Investitionen in Crowdinvesting-Projekte erhöhte sich damit um knapp 42 %. Der größte prozentuale Zuwachs erfolgte dabei im Energiesegment (54,9 %), dicht gefolgt vom Immobiliensegment (52,6 %) Auch im Segment der Unternehmensfinanzierungen ergab sich ein Wachstum von 5,1 %.

    Der Markt für Unternehmensfinanzierungen wuchs dabei in absoluten Zahlen von 80,4 Mio. Euro. im Jahr 2018 auf 84,5 Mio. im Jahr 2019. 19,5 Mio. Euro entfielen dabei auf Start-Ups.

    Rechtliche Rahmenbedingungen beim Crowdinvesting

    Crowdinvesting fällt unter die Regelungen des Vermögensanlagegesetzes. Für Schwarmfinanzierungen gilt hierbei eine Ausnahme: Statt der ansonsten notwendigen Erstellung eines Wertpapierprospekts ist für Emissionen bis zu sechs Millionen Euro ein –weniger umfangreiches – maximal dreiseitiges Vermögensinformationsblatt (VIB) zu erstellen. Beträgt das Emissionsvolumen maximal 100.000 Euro, ist die Emission sogar ohne Erstellung eines VIB möglich. Durch diese Erleichterungen für Schwarmfinanzierungen reagierte der Gesetzgeber auf die verstärkte Verbreitung alternativer Finanzierungs- und Investitionsformen bei der Frühphasenfinanzierung.

    Vorteile und Nachteile des Crowdinvesting für Start-Ups

    Strebt ein Start-up eine Kapitalaufnahmen mithilfe von Crowdinvesting an, so kann es auf den Vorteil der Masse setzen: Die Investoren fungieren als Multiplikatoren, wenn diese online über Social Media über das Start-up und dessen Innovationen berichten. Dies erhöht wiederum den Bekanntheitsgrad des Start-Ups, was wiederum die Attraktivität einer Investition in das Unternehmen steigert. Start-Ups können hier von Synergieeffekten profitieren, indem sie die sich die Kraft der Crowd zu Nutze machen.

    Für ein Crowdinvesting spricht auch die Unabhängigkeit von Kreditinstituten, die die Kreditgewährung an die Bestellung von Sicherheiten knüpfen. Je nach finanzieller Ausgangssituation kann das Start-Up das Crowdinvesting jedoch auch als Teil einer Finanzierungsstrategie verwenden, um so eine Bank zur Kreditzusage zu bewegen. Die Nutzung des Crowdinvesting als Basisbaustein im Rahmen eines Finanzierungsmixes ist längst gängige Praxis. Entscheidend hierbei ist: Nicht "entweder oder", sondern "sowohl als auch".

    Durch die Dezentralisierung, die mit den Crowdfundings und -investments einhergeht, geben Start-ups im Vergleich zu herkömmlichen Finanzierungsmethoden vergleichsweise wenig Kontrolle ab. Umgekehrt sind sie jedoch auch einer größeren Anzahl von Investoren verpflichtet. Während Start-ups von den fehlenden Einflussmöglichkeiten profitieren und damit ihre unternehmerische Entscheidungsfreiheit behalten, sind sie gleichzeitig einer höheren Zinslast ausgesetzt. Denn ein Crowdinvesting im Start-up-Bereich bietet attraktive Renditechancen für Anleger.

    Crowdinvesting für Start-ups gewinnt an Bedeutung

    Unter den aktuellen, durch die Corona-Pandemie bedingten, Umständen dürfte die Kreditvergabepraxis der Banken im Bereich von Start-Ups noch restriktiver und die Einforderung von Sicherheiten noch unumgänglicher sein. Die bereits oben genannte Bitkom-Umfrage bestätigt das. Deutsche Start-ups gehen durch die Corona-Pandemie davon aus, dass sich die ohnehin schwierige Finanzierungssuche noch verschlimmert: Waren vor Beginn der Pandemie noch 17 % der Start-Ups sicher, ihren Finanzbedarf decken zu können, so sah nach Beginn der Pandemie nur noch jedes zehnte Start-up den Kapitalzufluss als gesichert an.

    Die Relevanz und Chancen des Crowdinvesting werden daher weiter steigen.

     

    Sie sind auf der Suche nach einem alternativen Finanzinstrument, um sich einen Kapitalzugang zu sichern? 

    Jetzt Finanzierung anfragen

    Ähnliche Kategorien

    Kapital Digital Featured

    Dr. Maximilian Degenhart

    Dr. Maximilian Degenhart ist Rechtsanwalt und unterstützt Gesellschaften bei ihrer Unternehmensfinanzierung. Er ist Partner bei der Kanzlei BEITEN BURKHARDT.

    Das könnte Sie auch interessieren:

    Kapital Digital Featured

    Sustainable Finance – Finanzierung einer nachhaltigen Zukunft

    Sustainable Finance soll die Nachhaltigkeitstransformation des 21. Jahrhunderts substantiell befördern. Das Ziel lautet:...

    Kapital Digital Featured

    Crowdfunding als zeitgemäßes Finanzinstrument für die Energiewende in Europa?

    Um energieeffiziente Maßnahmen zu etablieren, stehen für kleine und mittlere Unternehmen (KMU) Fördertöpfe der Europäisc...

    Kapital Digital Featured

    Crowdinvesting für Immobilien: Was Projektentwickler wissen müssen

    Beim Crowdinvesting für Immobilien können Projektentwickler über die Crowd eigenkapitalähnliche Mittel in Form von Mezza...

    Sie möchten Ihr Crowdfunding besser vermarkten?

    In unserem Whitepaper geben wir hilfreiche Tipps!

    Jetzt White Paper herunterladen