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    Recht Featured | 3 Min Lesedauer

    Crowdinvesting und Partizipation: „Positive Erfahrungen ermöglichen“

    Können Schwarmfinanzierungen für partizipativere Prozesse sorgen? Und sind Bürgerbeteiligungen der richtige Weg bei der Energiewende? Das haben wir Dietmar Miller gefragt. Er berät Gemeinden und Stadtwerke zur Einbindung der Öffentlichkeit und Umsetzung von Partizipationsformaten im Rahmen des Forschungsprojekts „C/sells“ des Bundeswirtschaftsministeriums. 

    Herr Miller, Partizipation, Teilhabe oder Beteiligung: Im Kontext von Schwarmfinanzierungen fallen diese Begriffe immer wieder. Was muss konkret gegeben sein, damit sie Anwendung finden?

    Partizipation und Beteiligung meinen meist das Gleiche. Hier liegt der Unterschied im kommunikativen Aspekt oder dem genutzten Kontext, in welcher die Begriffe vorkommen. Teilhabe geht oft mit der Teilnahme einher. Eine Teilnahme braucht einen Gestaltungsspielraum, damit von einer Teilhabe gesprochen werden kann. Hier stellt sich die Frage nach dem „Woran?“, die beantwortet werden muss.

    Wie lassen sich die Begriffe in Relation setzen?

    Das zentrale Merkmal, das die drei Begriffe vereint, ist der mögliche Gestaltungsspielraum. Erst wenn dieser überhaupt gegeben ist, spricht man von Partizipation, Teilhabe oder Beteiligung. Auch hier ist die zentrale Frage: Woran genau wird partizipiert? Daran lässt sich der sinnvolle Gestaltungsspielraum ableiten.

    Unter welchem Begriff würden Sie Schwarmfinanzierung am ehesten einordnen?

    Zunächst einmal ist eine Schwarmfinanzierung in vielen Fällen das reine Finanzieren eines Projekts oder Unternehmens – somit ist ein Gestaltungsspielraum, der notwendig ist, um von einem der bereits genannten Begriffe zu sprechen, erst mal nicht gegeben. Nehmen wir z. B. ein Crowdfunding für Schuhe. Hier kann ich mir aussuchen, in welcher Farbe ich die Schuhe gerne hätte. Das Ressourcenmanagement kann ich allerdings nicht mit gestalten. Hier würde ich nicht von Partizipation oder Teilhabe sprechen. Vor allem die Tiefe des Gestaltungsspielraums ist von Relevanz.

    Allerdings können Schwarmfinanzierungen eine niedrigschwellige Möglichkeit bieten, partizipative Prozesse mitzugestalten. Sie ermöglichen gerade für private Akteure überhaupt den Zugang zur Beteiligung. Dieser Teilhabeprozess lässt sich in drei Fragen klären: Woran kann man sich beteiligen? Inwiefern kann man sich beteiligen und wer kann sich beteiligen? Diese Fragen haben eine Filterfunktion und entscheiden darüber wie partizipativ eine Finanzierung mit der Crowd ist.

    „Schwarmfinanzierungen bieten eine Möglichkeit, um partizipative Prozesse mitzugestalten.“

    Können alternative Finanzierungsmodelle für mehr Partizipation sorgen?

    Auch hier stellen sich zunächst die Fragen nach „Woran“, „Inwiefern“ und „Wer“. Schwarmfinanzierungen können definitiv zu partizipativeren Prozessen beitragen, wenn sie gut umgesetzt werden. Dazu gehört aber eine Kommunikation, die rechtzeitig, umfassend und transparent ist. Ein weiterer wichtiger Punkt ist das Erwartungsmanagement. Wenn Unternehmen von Beteiligungen sprechen, dann müssen sie diese später auch realisieren können. Die Beteiligung am vorhergehenden Dialogprozess bedeutet noch nicht die Beteiligung an tatsächlich realisierter Infrastruktur.

    Wie sieht es bei Bürgerbeteiligungen aus?

    Ein Beispiel ist die Beteiligung an Infrastruktur wie gemeinsam genutzten Photovoltaik-Anlagen, aber auch an Speichertechnologien. Finanzielle Einstiegsmöglichkeiten sind im Vergleich zu einer Schwarmfinanzierung noch immer recht hoch. Viele Bürgerinnen und Bürger werden von vorne herein ausgeschlossen, weil wir hier von Investitionssummen von bis zu 3.000 Euro sprechen. Das kann sich nicht jeder leisten. Hier kann wieder die Thematik des bereits angesprochenen Erwartungsmanagements aufkommen. Wenn ich einen „Zugang für alle kommuniziere“, dann sollte dieser auch für nahezu jeden zugänglich sein.

    Wie muss hier noch unterschieden werden?

    Bei Bürgerbeteiligung sollte auch die Frage nach dem „Woran?“ berücksichtigt werden. Handelt es sich um eine Beteiligung, die nur am Dialogprozess interessiert ist oder auch Fragen der Infrastruktur berücksichtigt. Es geht also – abgesehen von einer niedrigen Eintrittshürde – um die kommunikative und technische Seite des Gestaltungsspielraums.

    „Durch niedrige Einstiegshürden verdient man sich Akzeptanz, was wiederum die Vorstufe zum Vertrauen bilden kann. Das ist gerade bei Bürgerbeteiligungen wichtig.“

    Und was sind die Vorteile, die eine Schwarmfinanzierung dabei bietet?

    Da sind einmal die niedrigen Eintrittshürden, die einen breiten Personenkreis miteinschließen kann. So erreicht man einen sogenannten Akzeptanzverdienst. Akzeptanz muss verdient werden, was dann die Vorstufe zum Vertrauen bilden kann. Insofern kann über einen konkreten Bezug zum Unternehmen oder Projekt vor Ort einen Bezug zum übergeordneten Thema, wie z. B. der Energiewende, hergestellt werden. Schafft man diesen Bezug durch kleinere Projekte, dann ist die Hürde, sich Akzeptanz auch bei diesen Projekten zu verdienen, wesentlich einfacher zu nehmen.

    Aber es ist doch paradox, dass mehr als 90 Prozent der deutschen Bevölkerung die Energiewende zwar Befürworten, diese jedoch in den vergangenen Jahren fast zum Erliegen kam. Woran liegt das?

    Ja, denn die lokale Akzeptanz nimmt sehr schnell ab. Hier kommt unter anderem die NIMBY („Not in my Backyard“)-Problematik zum Tragen. Das bedeutet, dass man ein Problem zwar lösen möchte, jedoch unmittelbar keine Einschränkungen „vor der eigenen Haustür“ hinnehmen will. Hier können Schwarmfinanzierungen einen ersten Beitrag leisten. Denn damit kann man positive, eigene Erfahrungen mit kleineren Projekten in unmittelbarer Umgebung schaffen, die auf dem weiteren Weg der Partizipation entscheidend sein können und ein erster Schritt zur Akzeptanz eines übergreifenden Systems sind.

    Vielen Dank für das Gespräch, Herr Miller!

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    Kristin

    Bei CrowdDesk ist Kristin DAS Organisationstalent. Auf dem Blog kümmert sie sich um Marketingthemen und die Akteure, die hinter den Projekten stehen. Mario Kart-Level: 4 von 10

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