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    Kapital Digital | 12 Min Lesedauer

    Was ist Crowdinvesting? Definition, Funktion und Einordnung

    Beim Crowdinvesting handelt es sich um eine innovative und moderne Art der Geldanlage. Unternehmen können Crowdinvesting zur Finanzierung einsetzen, in dem sie über das Internet Kapital bei vielen Anlegern einsammeln. Dabei erhalten die Anleger eine Rendite, die z. B. in Form von Zinsen ausbezahlt wird. Was macht die alternative Geldanlage aus? Wie funktioniert sie? Welche Vorteile und Risiken gibt es für Unternehmen und Anleger? Im Folgenden erfahren Sie alles Wichtige zum Thema Crowdinvesting. 

    Die Geschäftsidee steht, eine Immobilie soll gekauft oder das Unternehmenswachstum vorangetrieben werden? Hier kommt die Crowd und Crowdinvesting ins Spiel. Dabei kommen viele Privatanleger ("Crowd") über eine Online-Plattform zusammen und investieren ("invest") kleine Geldbeträge in  ausgewählte Unternehmen und Projekte.

    Crowdinvesting ist ein neues, innovatives Finanzierungsinstrument für Unternehmen. Privatanleger erhalten die Möglichkeit sich bereits mit kleinen Geldsummen an Projekten mit attraktiven Renditen zu beteiligen. Wir erklären Ihnen im folgenden alles Wichtige dazu. 

    1. Was ist Crowdinvesting? 
    2. Wie funktioniert Crowdinvesting?
    3. Für wen kommt Crowdinvesting in Frage?
    4. Was sind die Vorteile von Crowdinvesting?
      1. Für Anleger
      2. Für Unternehmen 
    5. Was sind die Risiken? 
      1. Für Anleger
      2. Für Unternehmen
    6. Welche Arten von Crowdfunding gibt es außerdem? 
    7. Die rechtlichen Rahmenbedingungen der Schwarmfinanzierung
    8. Die Marktsituation in Deutschland

    ”Right now entrepreneurs are already using crowdfunding to raise hundreds of thousands of dollars in pure donations – imagine the possibilities if these small-dollar donors became investors with a stake in the venture.”                          Barack Obama (2011)

     

     

    Was ist Crowdinvesting?

    Beim Crowdinvesting sammeln Unternehmen Kapital über das Internet bei Privatanlegern ein. Das geschieht üblicherweise auf einer Online-Plattform. Anleger werden so finanziell am wirtschaftlichen Erfolg eines Unternehmens  beteiligt. Der Rendite-Aspekt spielt eine wichtige Rolle. Man spricht auch von Equity-based Crowdfunding, also Crowdfunding mit Gewinnbeteiligung.

    Im Gegenzug erhalten die Anleger eine Rendite für ihre Investition. Ist das Projekt abgeschlossen, bekommen die Investoren ihr Kapital zurück, plus eines vorab festgelegten Zinssatzes über eine bestimmte Laufzeit. Anleger können aber auch direkt am Unternehmensgewinn beteiligt werden. Das Besondere: Jeder kann partizipieren, denn Anleger können bereits mit geringen Beträgen ab 100 Euro in Unternehmen oder Projekte investieren.  Das macht Crowdinvesting zu einer demokratischen Geldanlage.

    Crowdinvesting_Definition

     

    Wie funktioniert Crowdinvesting?

    Für Anleger

    Um in ein Projekt oder in ein Unternehmen zu investieren, können Anleger online nach einer Crowdinvesting-Plattform und den dort gelisteten Investitionsangeboten suchen. Die Plattform tritt als Vermittler auf und bietet eine Vorauswahl an Projekten.

    Je nachdem, welcher Branchenschwerpunkt gesetzt wird, finden Investoren dort z. B. Projekte und Unternehmen aus der Immobilienbranche, Startups oder Projekte aus dem Bereich erneuerbare Energien. Nachdem ein Anleger das passende Projekt ausgewählt hat, kann er sein Kapital investieren. Ist das Funding erfolgreich, dann erhalten die Anleger eine Rendite. Sie wird in den meisten Fällen endfällig zurückbezahlt.

    Für Unternehmen (Emittenten)

    Wie sieht der Weg für Unternehmen aus? Vorab ist die wichtigste Voraussetzung, dass Unternehmen in einer Kapitalgesellschaft firmiert sind und auf ein bestehendes Netzwerk zurückgreifen können. Außerdem müssen sich Unternehmen entscheiden, ob Sie ein Crowdinvesting-Projekt über eine Plattform oder in Eigenregie durchführen. Beides hat Vorteile und Risiken.

    Bei den meisten Projekten wird vorab eine Summe festgelegt, die mindestens eingesammelt werden muss. Wird diese nicht erreicht, dann kommt auch keine Investition zustande. Bis dahin eingesammeltes Kapital wird in vielen Fällen von einem Treuhänder verwaltet. Erreicht das Projekt die Mindestsumme nicht, wird das Kapital an die Anleger zurückerstattet. Das Funding war somit nicht erfolgreich.

    Ist ein Funding erfolgreich, erhält das Unternehmen das Kapital zumeist in Form von Mezzanine-Kapital. Dieses ist ein Finanzinstrument, das rechtliche und wirtschaftliche Merkmale sowohl von Eigen- als auch Fremdkapital aufweist. Mezzanine-Kapital wird üblicherweise vorrangig gegenüber „echtem“ Eigenkapital, jedoch nachrangig zu „echtem“ Fremdkapital befriedigt. Dabei wird einem Unternehmen wirtschaftliches oder bilanzielles Eigenkapital zugeführt, ohne den Kapitalgebern oder Gesellschaftern Stimm- oder Einflussrechte zu gewähren.

    Wie sieht das Vorgehen bei Banken aus? Die GLS Bank, die VR Bank Würzburg und die DKB Bank setzen auf eine neu gegründete Betreibergesellschaft und eine Plattform, die auf einer White-Label-Lösung basiert. Damit agiert die Crowd der Banken losgelöst von banktypischen Prozessen und konzentriert sich ausschließlich auf das neue Geschäftsfeld, während sie gleichzeitig von der Kompetenz der jeweiligen Bank profitiert.

    Der Trend zur Digitalisierung hat die Bankenlandschaft in den letzten Jahren nachhaltig verändert. Bisher haben die meisten deutschen Banken jedoch hauptsächlich ihr Schaltergeschäft digitalisiert. Dabei ist eine konsequente Ausweitung des digitalen Angebots unausweichlich, um im Wettbewerb dauerhaft zu bestehen. Doch derzeit handeln deutsche Banken in Bezug auf Digitalisierung nicht zukunftsorientiert.

     

    Was sind die Vorteile von Crowdinvesting?

    Für Anleger

    Mit geringem Kapitalaufwand in Projekte investieren, hinter denen man auch steht? Mit Crowdinvesting haben Anleger diese Chance. Bei manchen Projekten sind Investitionen schon ab 100 Euro möglich. Somit stehen sie im Prinzip jedem offen, ganz unabhängig vom Einkommen. Anleger profitieren dabei nicht selten von Renditen zwischen vier und acht Prozent. Klassische Einlagen können das nicht bieten.

    Anleger können aus einer Vielzahl von Investmentangeboten wählen. Dabei haben sie die Möglichkeit, gezielt nach bestimmten Branchen oder Projekten zu suchen, die ihren Vorstellungen entsprechen. 

    Weiterer Vorteil: Die Crowd kann oft direkt mit den Emittenten in Kontakt treten und sich über das Projekt oder Unternehmen informieren. Das schafft Transparenz und erhöht die Identifikation.

    Für Unternehmen

    Für Emittenten oder Unternehmen ergeben sich eine ganze Bandbreite an Vorteilen, die  Crowdinvesting bietet. So können sie Bürgern regional und überregional die Möglichkeit geben, sich am wirtschaftlichen Erfolg des Unternehmens zu beteiligen.

    Bei kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) ist Kapital oftmals anderweitig gebunden. Doch für sie ist der Weg über Banken mit hohen Hürden verbunden und dauert lange. Das führt dazu, dass Investitionen in neue Projekte warten müssen. Crowdinvesting bietet hier die Möglichkeit, die Liquiditätsquote zu stärken. 

    Gerade junge Unternehmen benötigen Zeit, um sich zu entwickeln – und vor allem regelmäßig frisches Kapital. Für Startups bietet Crowdinvesting einen Weg, um beispielsweise eine erste Anschubfinanzierung zu gewährleisten. Dabei geben sie keine Unternehmensteile ab und bleiben so unabhängig von Investoren. 

    Mittelständler sind oftmals tief in der Region verwurzelt. Für sie besteht die Möglichkeit mittels Crowdinvesting Anleger auf einer emotionalen Ebene anzusprechen und z. B. Mitarbeiter direkt am Unternehmenserfolg zu beteiligen.

    Unternehmen können, trotz vieler Investoren, selbstbestimmt handeln. Denn Anleger beteiligen sich beim Crowdinvesting als stille Gesellschafter. Sie erhalten kein Mitspracherecht  im Unternehmen, da  die Beteiligung nur finanzieller Natur ist. 

    Ein weiterer positiver Effekt: Unternehmen können ihre Markenbekanntheit steigern und ihr Image stärken. Eine effektive Marketingstrategie, die verschiedene Partner einbindet und Instrumente einsetzt, trägt zum erfolgreichen Funding bei. Hierzu gibt es verschiedene Online-Marketing-Instrumente und -Maßnahmen, die eingesetzt werden können und die die Reichweite erhöhen.

    Schließlich hat jeder Investor eine unterschiedliche Perspektive auf das Projekt, in das er oder sie investiert. Durch die Einbeziehung der Crowd können Unternehmen wertvolle Rückmeldungen und Tipps erhalten. Für Unternehmen aus der Technologiebranche beispielsweise sind Rückmeldungen besonders wertvoll. 

    Für die Zukunft können Emittenten ihre Unterstützer als Markenbotschafter gewinnen und einbinden. Durch Mundpropaganda und Empfehlungen kann so die Reichweite und Bekanntheit des eigenen Unternehmens oder Projekts gesteigert werden.

    Mit Crowdinvesting kann nicht nur Kapital eingesammelt werden. Neue Kunden können gewonnen und bestehende Kunden noch enger gebunden werden

     

    Was sind die Risiken?

    Doch bei allen Vorteilen, die Crowdinvesting bietet, sollten – wie bei jeder Geldanlage – auch die Risiken berücksichtigt werden.

    Für Anleger

    Für Anleger sind die Risiken eines Crowdinvestments unterschiedlich, je nach Art des Projekts. Während die Risiken bei einer Investition in einen Mittelständler, in erneuerbare Energien oder in Immobilien geringer sind, kann das Ausfallrisiko bei einem Startup naturgemäß höher sein. Hier besteht jedoch auch die Chance auf Renditen von bis zu 15 Prozent.

    Im Falle einer Insolvenz droht der Totalverlust des investierten Kapitals, da die Beteiligung typischerweise in Form eines Nachrangdarlehens erfolgt. Scheitert ein Projekt, dann werden zuerst die Forderungen der Bank bedient und erst danach die aller anderen Investoren.

    Dieser Fall ist bisher allerdings äußerst selten aufgetreten. Laut dem Portal crowdinvest.de  fielen seit 2011 lediglich 1,9 Prozent des investierten Gesamtkapitals bei Crowdinvesting-Projekten aus. 

    Für Unternehmen

    Welche Risiken bestehen für Unternehmen? Im schlimmsten Fall steht ein Unternehmen vor einem Kapitalengpass, wenn die erwartete Summe nicht eingesammelt wurde und das Unternehmen das Kapital fest eingeplant hatte.

    Wer ein Crowdinvesting anstrebt, der sollte ein gewisses Maß an Offenheit und Dialogbereitschaft mitbringen. Schwarmfinanzierung ist eine transparente Anlageform. An- und Rückfragen aus der Crowd gehören dazu und sollten in der Regel auch beantwortet werden. Anderweitig können sonst Imageverluste drohen.

     

    Welche Arten von Crowdfunding gibt es noch?

    Crowdinvesting ist nur eine Crowdfunding-Art. Die digitale Schwarmfinanzierung gibt es bereits seit Anfang der 2000er-Jahre. Seither haben sich noch weitere Formen entwickelt:


    Spendenbasiertes Crowdfunding

    Spendenbasiertes Crowdfunding wird auch donation-based-Crowdfunding oder Crowddonating genannt. Es basiert auf einer Geldspende für ein Projekt. Gegenleistungen sind meist ideeller Natur, z. B. in Form einer öffentlichen Danksagung. Auf diesem Weg werden viele soziale oder gemeinnützige Projekte finanziert.


    Crowdfunding mit Gegenleistung

    Ein Crowdfunding mit Gegenleistung wird auch reward-based-Crowdfunding genannt. Dabei erhalten die Unterstützer für ihr Kapital ein „Dankeschön“. Das kann z. B. das mit dem Kapital entwickelte Produkt sein. Als Test für das Marktpotenzial eines Produkts eignet sich diese Form des Crowdfundings ideal.


    Kreditbasiertes Crowdfunding

    Kreditbasiertes Crowdfunding wird auch Crowdlending genannt. Hier leihen Anleger einem Unternehmen oder Projekt Kapital. Im Gegenzug erhalten sie das Kapital mit Zinsen zurück. Die Tilgung erfolgt zu vorab festgelegten Konditionen.


     

    Die rechtlichen Rahmenbedingungen

    Am 10. Juli 2015 trat das Kleinanlegerschutzgesetz (KASG) in Kraft. Es enthielt zahlreiche Gesetzesänderungen zur Regulierung des grauen Kapitalmarkts und war eine Reaktion auf die Insolvenz des Energieunternehmens PROKON, von der 75.000 Kleinanleger betroffen waren.

    Insbesondere im Vermögensanlagegesetz (VermAnlG) wurden damals Änderungen vorgenommen. So wurde etwa der Anwendungsbereich des Gesetzes auf partiarische Darlehen und Nachrangdarlehen erweitert. Der § 2a VermAnlG privilegierte Projekte, die über Crowdinvesting finanziert wurden.

    2019 wurde das Gesetz evaluiert und wesentliche Anpassungen vorgenommen, die im Juli desselben Jahres in Kraft traten. Darunter fiel unter anderem die Erhöhung der prospektfreien Fundingsumme für Unternehmen auf sechs Mio. Euro pro Jahr. Welche weiteren wichtigen Änderungen es gab, haben wir für Sie in unserem Blogbeitrag auf einen Blick für Sie zusammengefasst.

    Was bedeutet das für die Crowdinvesting-Branche? Dr. Ferdinand Unzicker, Fachanwalt für Bank- und Kapitalmarktrecht, fasst es in seinem Kommentar „Änderungen des KASG – wohin führt die Reise der Crowd?“ zusammen. 

    Die Evaluierung des Kleinanlegerschutzgesetzes war jedoch nicht die einzige gesetzliche Änderung, die Finanzprodukte in diesem Jahr betrafen. Ende Juli trat die neue EU-Prospektverordnung vollumfänglich in Kraft. Die maßgeblichen Ziele der Verordnung sind:

     

    Die Marktsituation in Deutschland

    Der deutsche Crowdinvesting-Markt hat sich in den vergangenen Jahren enorm weiterentwickelt und ist seit 2011 kontinuierlich im dreistelligen Bereich gewachsen. Dabei hat die Branche in den vergangenen beiden Jahren noch einmal einen großen Sprung nach vorne gemacht, wie der Crowdinvest Marktreport Deutschland 2018 zeigt.

    Crowdinvesting in Deutschland

    Alleine 2018 lag das Volumen erfolgreich platzierter Crowdinvestments bei 297 Millionen Euro. Die unten aufgeführten durchschnittlichen Wachstumsraten verdeutlichen die Entwicklung nochmals. Auch die Zahl der Plattformen hat sich in den vergangenen fünf Jahren fast verdreifacht. 

    Crowdinvesting Marktsituation in Deutschland

    Die Crowdinvesting-Marktsituation in DeutschlandWobei vor allem der Immobilienbereich als Zugpferd fungiert und einen Marktanteil von 70,9 Prozent hat. 2018 konnten mittels Schwarmfinanzierung bereits 3342 Wohneinheiten gebaut werden. Dort gibt es mit Exporo, Zinsland und Bergfürst Akteure, die jenseits der Crowdinvesting-Branche bekannt sind. 

    Der Bereich der Unternehmensfinanzierung folgt dahinter mit einem Marktanteil von 27 Prozent. Die alternative Finanzierungsart sorgte so dafür, dass im vergangenen Jahr 581 Unternehmen neu gegründet oder weiterentwickelt werden konnten.  Auf den Energiesektor entfallen die übrigen zwei Prozent. So konnten 123.700 Tonnen CO2 eingespart werden. 

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    Auch in 2019 hat sich der deutsche Crowdinvesting-Markt weiterentwickelt. So wurde ein Projektvolumen von mehr als 345 Millionen Euro erzielt. Das entspricht einem Wachstum von Mit 284 Millionen entfiel ein Großteil davon auf Immobilienprojekte. 

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