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    Kapital Digital Featured | 3 Min Lesedauer

    ECSP-Verordnung: Was ändert sich?

    Seit Oktober letzten Jahres gilt die Verordnung zum European Crowdfunding Service Provider (ECSP). Das hat weitreichende Veränderungen für digitale Unternehmensfinanzierungen in Europa. Was kommt auf Anbieter, Investoren und Emittenten zu?

    Am 5. Oktober 2020 ging das Europäische Parlament den nächsten wichtigen Schritt bei der Schaffung einer europäischen Kapitalmarktunion. Die EU-Parlamentarier verabschiedeten die Verordnung zum European Crowdfunding Service Provider (ECSP-VO).

    Unternehmen können sich künftig bei der Kapitalbeschaffung an Kleinanleger in ganz Europa wenden. Gleichzeitig sind die Anleger bei Investitionen nicht mehr an Landesgrenzen gebunden. Sie können in Unternehmen aus ganz Europa investieren. Diese und weitere Veränderungen bringt die ECSP-Verordnung mit sich.

    Was bedeutet die ECSP-VO für den Markt der digitalen Finanzierungen? Welche Entwicklungen werden gefördert?

    Primärkapitalmarkt rückt in den Fokus

    Durch die Harmonisierung des europäischen Kapitalmarkts erhalten Unternehmen einen einfachen und effizienten Weg zum Primärkapitalmarkt. Sie können sich online direkt an Privatkapitalgeber in Europa wenden. Das war zuvor nicht ohne erhebliche Initialkosten möglich. Es ist ein disruptiver Eingriff in das hoch regulierte Marktgeschehen.

    Die mit der ECSP-VO geschaffene Rechtsgrundlage kommt vor allem kleineren EU-Ländern insofern zugute, als dass dort ansässige Unternehmen nun einen vereinfachten Zugang zum restlichen Binnenmarkt erhalten.

    Im Rahmen der verabschiedeten Verordnung geht es aber nicht darum, die bestehenden Regulierungen gänzlich abzuschaffen. Vielmehr vereinheitlicht sich der Verbraucherschutz in ganz Europa und wird mit hohen Standards für prospektfreie Emissionen gefestigt. Gleichzeitig senkt die neue ECSP-VO die Komplexität und die Markteintrittshürden. Was bedeutet das? 

    ECSP schafft Zugang zu neuen Märkten

    Für die Crowdfunding-Plattformen unserer europäischen Nachbarn bietet der deutsche Markt das größte Unternehmens- und Anlagepotenzial. Die ECSP-VO ermöglicht ihnen den Markteintritt – und der ist attraktiv.

    Denn das Privatvermögen hierzulande nimmt seit Jahren zu und betrug laut Bundesbank am Ende des dritten Quartals 2020 rund 6,7 Billionen Euro. Gleichzeitig steigt das Interesse der Deutschen an Kapitalanlagen – nicht umsonst verzeichnen Neo-Broker und Investmentplattformen einen erheblichen Zulauf.

    Diese Entwicklung spiegelt den Wunsch von Privatanlegern wider, die individuell und selbstständig Entscheidungen bei der Geldanlage treffen wollen. Sie möchten nachvollziehen, wo ihr Geld wirkt und welche Vorhaben sie mitfinanzieren. Das begünstigt digitale Finanzierungsformen, da diese transparent und für jeden zugänglich sind.

    Plattformen aus anderen europäischen Ländern werden daher verstärkt versuchen, in Deutschland Fuß zu fassen. Gleichzeitig lohnt es sich für deutsche Anbieter digitaler Finanzierungslösungen nicht zwingend ins Ausland zu gehen. Hierzulande ist das Marktpotenzial derzeit am größten. Das bedeutet zwar mehr Konkurrenz im Heimatmarkt, die aber zu einer Beflügelung des Wettbewerbs führen kann. 

    Crowdlending ohne Partnerbank möglich

    Die signifikanteste Änderung betrifft das Crowdlending, also die Kreditvergabe von Plattformen an Unternehmen. Hierzu musste in Deutschland bisher eine Frontingbank zwischengeschaltet sein.

    Zukünftig dürfen erstrangig vermittelte Unternehmensdarlehen bis fünf Millionen Euro unmittelbar von Plattformen mit ECSP-Lizenz vermittelt werden – ohne eine entsprechende Frontingbank, die bei der Kreditvergabe mitwirkt. Diese Neuregelung kann den privaten Kapitalmarkt nachhaltig beeinflussen.

    CrowdDesk_ECSP

    Durch die ECSP-Verordnung ist das Gewerbe- und Kreditkundengeschäft von Banken dem europaweiten Wettbewerb ausgesetzt. Damit ist die ECSP-VO auch ein Angriff auf das klassische Bankengeschäft, wenngleich die Kreditvergabe laut dem KfW Mittelstandspanel 2020 ohnehin rückläufig ist. Insbesondere Volksbanken und Sparkassen, die sich auf das Kreditgeschäft mit kleineren und mittleren Unternehmen fokussieren, können von der ECSP-VO betroffen sein.

    Die ECSP-VO bietet das Potenzial, dass sich digitale Finanzierungsinstrumente noch stärker im Bewusstsein von Unternehmen verankern. Über Landesgrenzen hinweg haben sie die Möglichkeit, einen wesentlich größeren Kreis an Privatanlegern anzusprechen. Das wird Sichtbarkeit und neue Anwendungsfälle schaffen.  

    Gleichzeitig sind Banken dem neuen Wettbewerb ausgesetzt und konkurrieren mit Schwarmfinanzierungs-Plattformen um Kunden. Für die kapitalsuchenden Unternehmen bedeutet das mehr Auswahlmöglichkeiten. Sie sind nicht mehr auf eine Finanzierungsquelle alleine angewiesen. Vielmehr suchen sie sich in Europa die Investoren, die an ihr Vorhaben glauben.

     

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    Jamal

    Jamal hat CrowdDesk mitgegründet. Er kennt das Vermögensanlagengesetz vermutlich auswendig – und alle anderen relevanten Gesetze in Bezug auf digitale Finanzierungsformen bestimmt auch. Hier widmet er sich allen Rechtsthemen.

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