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    Erfahrungsbericht Crowdinvesting: Corona aus Sicht eines Anlegers

    Wir haben schon einmal mit David und seinen Erfahrungen mit Crowdinvesting gesprochen. Er ist ein erfahrener Crowdinvestor und hat in mehr als 100 Crowdinvesting-Projekte investiert. Die vergangenen Monate waren aber auch für ihn besonders. Wie hat Corona sein Investitionsverhalten beeinflusst?

    Hallo David, schön, dass wir uns wieder sprechen. Du hast uns bereits von deinen Erfahrungen im Bereich Crowdinvesting erzählt, das war vor der Corona-Krise. Seither ist einiges passiert. Wie hast du den Crowdinvesting-Markt in den vergangenen Monaten wahrgenommen?

    Wie alle Märkte: erst einmal sehr verunsichert. Nach meinem Gefühl war das schon ein Schlag in die Magengrube. Viele Menschen gingen in Kurzarbeit und wussten nicht, wie es weitergeht. Da halten die meisten ihr Geld erst einmal beisammen und investieren nicht wie üblich weiter. Bei den Crowdinvesting-Plattformen ist mir aufgefallen, dass sie sich schnell umgestellt haben – organisatorisch, personell und strukturell. Zwischen März und Mai hat die Kommunikation besonders stark zugenommen. Da wurden u.a. sehr viele E-Mails verschickt.

    Wie sah die Kommunikation konkret aus?

    Es ging zunächst darum, uns Anleger zu beruhigen: von Ankündigungen, wie man sich auf die Pandemie vorbereitet über das Weiterlaufen von Projekten bis zu Informationen über Verzögerungen. Man konnte sehen, dass die Plattformen mehr in Kontakt mit den Emittenten standen. Die verstärkte Kommunikation in der Zeit war  wichtig und richtig. Es hat sich aber auch gezeigt, dass das vor allem die Plattformen waren, die auch vor der Krise schon gut mit Anlegern kommuniziert haben.

    Die Kommunikation der Crowdinvesting-Plattformen während der Corona-Krise war wichtig und richtig. Es hat sich aber auch gezeigt, dass das vor allem die Plattformen waren, die auch vor der Krise schon gut mit Anlegern kommuniziert haben.

    Nach einer Durststrecke im März und April hat das Investitionsvolumen in den vergangenen Monaten wieder deutlich angezogen im Crowdinvesting-Bereich. Woran kann das liegen?

    Es ist ein bisschen wie beim Fahrradfahren. Die Hardcore-Fahrer sind bei Wind und Wetter unterwegs. Beim Crowdinvesting dürfte es ähnlich sein. Die, die schon lange und intensiver dabei sind, bleiben das nach dem ersten Schreckensmoment auch – ungeachtet der äußeren Umstände. Diejenigen, die sich erst seit kurzem mit dem Thema auseinandersetzen, sind sicherlich noch zurückhaltender.

    Hat sich dein persönliches Investitionsverhalten in den vergangenen Monaten geändert?

    Die ersten vier bis sechs Wochen – Ende März bis Mitte Mai – habe ich mich grundsätzlich bei allen Geldanlagen zurückgehalten. Ich habe auch keine Aktien oder Ähnliches verkauft, sondern alles gehalten. Das lag aber nicht unbedingt am Markt oder den Umständen. Ich war in der Zeit schlicht damit beschäftigt, die Situation zu erfassen und ein Gefühl dafür zu bekommen, was in Deutschland und dem Rest der Welt passiert.

    Und nach diesen vier Wochen?

    Ich bin bisher immer mit einem Mix aus Aktien, Crowdinvesting-Projekten und weiteren Anlageklassen gefahren. Dadurch, dass die Kurse mancher Unternehmen am Anfang der Pandemie stark in den Keller gegangen sind, habe ich mich vor allem auf solche Investments konzentriert und zugekauft. Ab dem Sommer, als sich wieder ein "neuer Alltag" eingependelt hatte, habe ich auch wieder in Crowdinvesting-Projekte investiert.

    Ich streue meine Investments immer noch breit und diversifiziere so mein Portfolio. Die Krise hat daran nichts geändert.

    Hat sich dein Fokus bei Crowdinvesting-Projekten durch die Krise geändert?

    Klares Nein. Ich streue die Investments immer noch breit und diversifiziere so mein Portfolio. Auch bei der Auswahl und den Kriterien hat sich nichts geändert. Ich investiere kleine Beträge, informiere mich vorab über Projekte und Unternehmen und höre auf mein Bauchgefühl.

    Wie sieht es bei den einzelnen Asset-Klassen aus? Im Bereich Immobilien und erneuerbare Energien beispielsweise.

    Bei erneuerbaren Energien setze ich nach wie vor gerne auf Bestandsanlagen, die schon in Betrieb sind – und dadurch die Einnahmen gesetzlich über das EEG gesichert sind. Beim Immobilien-Crowdinvesting fokussiere ich mich weiterhin auf die Finanzierungen von Bestands- und Neubauobjekten. Ich glaube, dass solche Projekte, unabhängig von externen Krisen, weiter funktionieren. Wohnimmobilien beispielsweise werden auch weiterhin gebraucht und gebaut, gerade in den Großstädten. Bei Büroimmobilien bin ich hingegen, aufgrund der möglicherweise langfristig veränderten Arbeitsumstände durch die Corona-Krise, derzeit noch vorsichtiger.

    Kam es aufgrund von Corona zu Ausfällen oder Verzögerungen deiner Investitionen in Crowdinvesting-Projekte?

    Ausgefallen sind bisher keine der Projekte. Bei Immobilienprojekten, die im laufenden Bauprozess waren, gab es aufgrund der Kontakt- und Verkehrsbeschränkungen Verzögerungen. Da haben Mitarbeiter gefehlt, Materialien konnten nicht importiert werden oder die zuständigen Behörden waren nicht mehr voll besetzt und es fehlten Genehmigungen – alles nachvollziehbare Gründe, die zunächst schlüssig sind. Die Verzögerungen und deren Gründe wurden vonseiten der Crowdinvesting-Plattformen transparent kommuniziert.

    Der Crowdinvesting-Markt hat gezeigt, dass er robust sein kann und sich Strukturen und Prozesse professionalisiert haben. Das ist deutlich besser gelaufen, als das einige erwartet hätten.

    Momentan kommt die Crowdinvesting-Branche gut durch die Krise. Glaubst du, dass das auch in Zukunft so sein wird?

    Die Projekte und Plattformen haben grundsätzlich gezeigt, dass sie recht robust sein können. Dadurch, dass aber momentan auch die Insolvenzmeldepflicht ausgesetzt ist, kann es in den kommenden Monaten aber noch zu Ausfällen kommen. Das könnte den Crowdinvesting-Markt erneut konsolidieren und die Spreu vom Weizen trennen. Hier kommt es dann darauf an, wie gut die viel gepriesene Projektauswahl und -prüfung der Crowdinvesting-Plattformen tatsächlich ist. Qualität ist das entscheidende Kriterium und es wird sich in den kommenden Monaten zeigen, wer diesem Anspruch treu geblieben ist.

    Was ist dein Fazit der letzten sechs Monate bezüglich des Crowdinvesting-Markts?

    Ich habe den Eindruck, dass sich der Markt insgesamt bis auf sehr wenige Ausnahmen erstaunlich gut hält. Es hat sich gezeigt, dass es mittlerweile viele professionelle Akteure und Strukturen gibt – trotz dessen, dass es nach wie vor ein Nischenmarkt ist. Was die Prozesse und Kommunikation vonseiten der Anbieter angeht, hat das meiner Erfahrung nach sehr gut funktioniert. Ich denke, dass die Branche Stand heute gut durch die Krise gekommen ist. Das ist bisher deutlich besser gelaufen, als das einige Skeptiker im Vorfeld erwartet hatten.

    David, vielen Dank für das Gespräch!

     

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    Anmerkung: CrowdDesk und David sind bereits seit rund anderthalb Jahren in Kontakt. Auf seinen Wunsch veröffentlichen wir das Gespräch nur mit seinem Vornamen. 

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