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    Kapital Digital Featured | 9 Min Lesedauer

    Die Finanzierung erneuerbarer Energien

    Bis zur Mitte des Jahrhunderts sollen erneuerbare Energien mehr als die Hälfte des deutschen Energiebedarfs decken. Der Ausbau von nachhaltigen Energieanlagen in den Bereichen Sonne, Wind und Wasser schreitet voran. Wie gelingt deren Finanzierung?

    Der Ausbau der erneuerbaren Energien ist heute in das Zentrum der Energiewirtschaft gerückt – mit gutem Grund. Er trägt wesentlich zur Energiewende bei, die auf eine klimaverträgliche Stromversorgung bei gleichzeitiger Unabhängigkeit von fossilen Brennstoffen abzielt. Zudem steigt Deutschland bis 2022 aus der Atomkraft aus und bis spätestens 2038 auch aus der Kohleförderung.

    Das bedeutet, dass erneuerbare Energien noch mehr in den Fokus der Energieversorgung rücken. 2020 trugen sie im Schnitt bereits zu 45,4 % des Bruttostrombedarfs bei. Dieser Anteil soll sukzessive ausgebaut werden. Dazu braucht es ausreichende Finanzierungsmöglichkeiten, auch über die EEG-Umlage hinaus.  

    Wie Projektentwickler:innen bei der Finanzierung von Anlagen im Bereich der erneuerbaren Energien vorgehen können, lesen Sie in diesem Beitrag.

     

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    Das erwartet Sie

    1. Status Quo: Erneuerbare Energien in Deutschland
    2. Projektfinanzierung im Bereich erneuerbarer Energien
    3. Finanzierungsinstrumente für erneuerbare Energien
        1. Förderkredite
        2. Bankkredite
        3. Bürgerbeteiligungen
        4. Geschlossene Fonds
    4. Fazit

     1. Status Quo: Erneuerbare Energien in Deutschland

    2020 deckten erneuerbare Energien 19,3 % des Endenergieverbrauchs in Deutschland. Damit übertraf die Bundesrepublik das im Rahmen der EU-Richtlinie zur Förderung erneuerbarer Energien festgelegte Ziel von 18 %. 2030 sollen erneuerbare Energien hierzulande 30 % ausmachen, 2050 dann 60 %.

    Aus erneuerbaren Energien wurden im vergangenen Jahr rund 455 Milliarden Kilowattstunden Energiemenge gewonnen. Davon entfielen 53 % auf die Stromproduktion, 38 % auf den Wärmesektor und 8 % auf biologische Kraftstoffe im Verkehrsbereich. 

    Stromproduktion stark, andere Sektoren stagnieren

    Gerade im Stromsektor entwickeln sich die Erneuerbaren in Deutschland sukzessive und machten 2020 knapp die Hälfte des Gesamtmarkts aus. Sie lieferten damit erstmals mehr Strom als die fossilen Energieträger.

    In den anderen Bereichen dominieren hingegen noch die klimaschädlichen Energien: Im Wärmesektor lag der Anteil der Erneuerbaren bei 15,2 %, bei nur langsamen Fortschritten. Im Verkehrsbereich sieht es hingegen anders aus. Hier herrscht Stillstand statt Zuwachs. Der Sektor erreichte im vergangenen Jahr nach zehnjähriger Stagnation mit 7,3 % wieder seinen Höchstwert aus dem Jahr 2007.

    CrowdDesk_Finanzierung_erneuerbare Energien

    Im Verkehrssektor hat sich die Bundesregierung deshalb ehrgeizige Ziele gesetzt: Der Anteil erneuerbarer Energien soll bis 2030 auf 28 % steigen – und damit doppelt so hoch sein wie von der EU vorgesehen. 

    Insgesamt entwickelt sich der Ausbau der erneuerbaren Energien in Deutschland positiv. Dabei gibt es jedoch zwischen den einzelnen Sektoren noch Unterschiede. Die Energiewende ist bisher nur eine Stromwende. Insbesondere der Ausbau der Windkraft stockt bereits seit drei Jahren. Die Gründe: zu wenig ausgewiesene Flächen, verschärfte Abstandsregeln und der Widerstand von Windkraftgegner:innen. 

     Ausbau erneuerbarer Energien trägt zur Energiewende bei

    Dass einen stetigen Ausbau  im Bereich erneuerbarer Energien braucht, darüber sind sich Politik, Wirtschaft und Wissenschaft grundlegend einig. Denn Treibhausgase haben den größten Einfluss auf die Erderwärmung. Um die Energiewende nicht zu gefährden, gilt es sie massiv zu verringern. Dazu müssen Energieträger, die auf fossilen Brennstoffen beruhen, von erneuerbaren Energien abgelöst werden.

    Doch es hapert an der Umsetzung. Zwar sind bereits Technologien erprobt und einsatzbereit, doch viele Faktoren bremsen bisher den Durchbruch. Einer davon ist die Wirtschaftlichkeit der Maßnahmen. Teilweise sind Energieerzeugnisse, die auf fossile Brennstoffe setzen, noch günstiger als ihre klimaschonenden Pendants.

    Es wird daher auf den richtigen Mix aus regulatorischen Maßnahmen, ordnungspolitischen Rahmenbedingungen und Technologien ankommen.

    Neue Finanzierungsmöglichkeiten durch Liberalisierung

    Ein weiterer wichtiger Faktor ist die Finanzierung erneuerbarer Energien. Die Investitionen in den Ausbau nachhaltiger Energieträger steigt seit Jahren, ebenso das Bewusstsein von Investor:innen zu diesem Thema.

    Dass die Finanzierung erneuerbarer Energien in den Fokus rückt, hängt auch mit der Liberalisierung des Energiemarkts seit Mitte der 1990er-Jahre zusammen. Dadurch wurde die Monopolstellung bei der Produktion, Verteilung und Distribution von Energie aufgebrochen. Die Projektfinanzierung beim Ausbau der erneuerbaren Energien trat auf den Plan, mit der wir uns im Folgenden beschäftigen. 

    2. Projektfinanzierung im Bereich erneuerbarer Energien

    Für die Finanzierung erneuerbarer Energien gibt es verschiedene Möglichkeiten. Seit Mitte der 1990er-Jahre wird die Projektfinanzierung bei Vorhaben im Bereich der erneuerbaren Energien eingesetzt. Projektfinanzierung sind außerdem im Immobilienbereich relevant.

    Bei der Projektfinanzierung handelt es sich um eine besondere Art der Finanzierungsstruktur. Sie steht im Gegensatz zur klassischen Unternehmensfinanzierung.

    Gründung einer Zweckgesellschaft

    Dabei wird eigens für das Projekt eine Zweckgesellschaft (Special Purpose Vehicle, SPV) gegründet. Im Gegensatz zur Unternehmensfinanzierung, wo z. B. Banken die Unternehmenshistorie, Bilanzen, die GuV und andere Dokumente zur Analyse heranziehen, ist das bei einer SPV nicht möglich.

    Die Projektfinanzierung basiert auf einer sich selbst tragenden Wirtschaftseinheit. Nicht das Unternehmen steht im Risiko, sondern das Vorhaben selbst. Es gibt nur zukunftsbezogene Pläne für die unternehmerische Tätigkeit der Projektgesellschaft. Daraus leitet sich der zu erwartende Cash Flow ab, der als primäre Sicherheit zur Verfügung steht.

    Erneuerbare Energien sichern Cashflow und Nachfrage

    Es gibt noch weitere Faktoren, wie der bisherige Track Record oder die Erfahrungen der Initiator:innen der Projektgesellschaft. Zudem ist es bei Projektfinanzierungen wichtig, dass ein klarer Bedarf auf der Nachfrageseite besteht.

    Das Projekt verfolgt einen ganzheitlichen Ansatz und muss wirtschaftlich, technisch und rechtlich tragfähig sein. So erhalten Investor:innen eine realistische Aussicht auf eine Rendite für ihr eingesetztes Eigenkapital, während Fremdkapitalgeber auf entsprechende Sicherheiten zugreifen können. Das Projekt trägt und finanziert sich selbst.

    Projektfinanzierungsstruktur bei erneuerbaren Energien

    CrowdDesk_Finanzierung erneurbarer Energien

     Cash Flow und Produktnachfrage – beides trifft auf den Bau von erneuerbaren Energien zu. Unternehmen, die erneuerbare Energien bauen und betreiben, können durch die EEG-Umlage und deren garantierte Einspeisevergütung mit einem sicheren Mittelzufluss planen.

    Der Ausbau der erneuerbaren Energien ist stark nachgefragt und sowohl politisch forciert als auch gesellschaftlich gewünscht. Die Einhaltung klimapolitischer Ziele und die Bekämpfung des Klimawandels stehen im Fokus des politischen Handelns für die kommenden Jahrzehnte. Gleichzeitig steigt das Bewusstsein von Bürger:innen in Bezug auf Energiewende und Umweltschutz.

    Hohe Initialkosten und Risikoverteilung gewährleistet

    Projektentwickler:innen im Bereich der erneuerbaren Energien verfügen oftmals nicht über eine belastbare Eigenbilanz, die für die hohen Investitionen notwendig wäre. Denn bei Energieprojekte in Form von Solar, Windkraft-, Biogas-, Biomasse und ähnlichen Anlagen fallen hohe Vorlaufkosten an.

    Deshalb ist eine Projektfinanzierung, bei der das benötigte Kapital von verschiedenen Quellen kommt, der richtige Weg. Hier greift das Prinzip der Risikoteilung. Die einzelnen Risiken des Projekts tragen die Parteien, die diese am besten bewerten können.

    Die Projektfinanzierung baut auf verschiedene Finanzierungsquellen – und ist deshalb für die Finanzierung im Bereich erneuerbarer Energien sinnvoll. Auf welche Finanzinstrumente innerhalb der Projektfinanzierung können Projektentwickler:innen zurückgreifen? Darauf gehen wir im Folgenden ein.

    3. Finanzierungsinstrumente bei erneuerbaren Energien

    Projektentwickler:innen im Bereich erneuerbarer Energien können bei der Finanzierung ihrer Vorhaben auf eine Vielzahl von Möglichkeiten zurückgreifen.

    Förderkredite von staatlicher Seite

    Die KfW als staatliche Förderbank hat mehrere Programme aufgesetzt, mit denen Förderkredite für den Ausbau sauberere Energieträger ausgegeben werden. Dazu zählen u.a. „Förderprogramm Standard“, das „Förderprogramm Premium“ und das KfW-Umweltprogramm.

    Die Förderprogramme zielen in erster Linie auf die Errichtung, Erweiterung und den Erwerb von Anlagen zur Nutzung erneuerbarer Energien ab. Dazu gehören:

    • – Photovoltaik-Anlagen auf Dächern, an Fassaden oder auf Freiflächen
    • – Anlagen zur Stromerzeugung aus Wasserkraft bis zu einer Größe von 20 MW
    • – Anlagen zur Stromerzeugung aus Windkraft
    • – Anlagen zur Strom- und Wärmeerzeugung in Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen (KWK-Anlagen) auf der Basis von fester Biomasse, Biogas oder Erdwärme
    • – Anlagen zur Erzeugung, Aufbereitung und Einspeisung von Biogas, Biogasleitungen
    • – Batteriespeicher

     Kredite von Banken

    Auch klassische Banken haben sich auf die Finanzierung erneuerbarer Energien spezialisiert. Dazu zählen z. B. die Umweltbank, die GLS Bank oder die DKB Bank. Sie alle bieten Projektentwickler:innen individuelle Finanzierungslösungen, die an den Bedürfnissen von Projektfinanzierungen im Bereich nachhaltiger Energien ausgerichtet sind.  

    Bürgerbeteiligungen mittels Crowdfunding

    Als einer der größten Hemmschwellen beim Ausbau der erneuerbaren Energien gelten die Vorbehalte von Bürger:innen vor Ort. Oftmals wollen diese nicht, dass erneuerbare Energieanlagen in ihrer unmittelbaren Umgebung gebaut werden.

    Projektentwickler:innen, die solche Vorhaben planen, können mit einem Crowdfunding oder Crowdinvesting die betroffenen Bürger:innen frühzeitig mit einbeziehen. Bei der Realisierung von Windkraftanlagen oder Solarparks müssen die Initiator:innen die Menschen vor Ort umfassend informieren – und das bereits in der Planungsphase. So entsteht kein Frust, wenn Bürger:innen vor vollendete Tatsachen gestellt werden.

    Ein Crowdfunding ermöglicht nicht nur die direkte Teilhabe am Projekt, sondern auch eine finanzielle Vergütung. Das reicht von einer rein finanziellen bis hin zu einer unternehmerischen Beteiligung. Eine Gewinnbeteiligung durch Investitionsmöglichkeiten hilft laut Meinungsforschungsinstituten bei der Steigerung der Akzeptanz eines Projekts.

    Eine rein finanzielle Vergütung ist zudem digital einfach umgesetzt. Bürger:innen können sich als Investor:innen beteiligen. Die Finanzierung von erneuerbaren Energien stemmen viele Einzelne. Das gibt ihnen die Möglichkeit sich transparent und umfassend mit dem Energieprojekt zu befassen.

    Geschlossene Fonds

    Zur Finanzierung von erneuerbaren Energien gibt es auch die Möglichkeit eines geschlossenen Fonds.  Hierbei sammeln  die Fonds Kapital von Anleger:innen ein, um damit Projekte zu finanzieren. Das können bereits bestehende Anlagen oder der Neubau solcher sein. 

    Die Anleger:innen engagieren sich bei geschlossenen Fonds langfristig, in manchen Fällen bis zu 20 Jahre. Sie beteiligen sich somit unternehmerisch am Erfolg des Fonds. 

    4. Fazit

    Die Finanzierung der erneuerbaren Energien wird in den kommenden Jahren ein essenzieller Bestandteil sein, um die Energiewende erfolgreich voranzutreiben. Die Möglichkeiten, die den Unternehmen und Projektenwtickler:innen dafür bereitstehen, sind vielfältig.

    Besonders im Sektor Strom gibt es viel Potenzial. Denn Deutschland braucht in den kommenden Jahrzehnten viel Strom: für Elektroautos, elektrische Wärmepumpen und die Wasserstoffproduktion in der Industrie.  Hier ergeben sich vielfältige Potenziale – und dazu braucht es die passende Finanzierung. 

     

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    Natalie

    Erneuerbare Energien, nachhaltige Kapitalanlagen oder Sustainable Finance? Natalie kennt sich mit all diesen Themen bestens aus. Auf dem CrowdDesk Blog schreibt sie deshalb genau darüber.

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