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    Kapital Digital | 3 Min Lesedauer

    Journalismus und Crowdfunding: Wie funktioniert das?

    Crowdfunding für journalistische Projekte erfreut sich immer größerer Beliebtheit. So haben sich abseits der großen Medienhäuser neue Angebote und Beteiligungsformen etabliert, die auf die Crowd setzen. Was bedeutet das für den Journalismus?

    Der Journalismus steckt in einer existenziellen Krise. Tageszeitungen haben mit sinkenden Auflagen zu kämpfen. Medienhäuser verkleinern Redaktionen und kürzen Honorare – während sie sich gleichzeitig nach neuen Geschäftsfeldern umschauen müssen. Bei der Axel Springer SE beispielsweise, zu der auch BILD und WELT gehören, trägt das journalistische Angebot nur noch knapp ein Drittel zum operativen Ergebnis bei. Zwei Drittel kommen aus Anzeigenangeboten wie der Stellenbörse Stepstone oder dem Immobilienportal Immowelt.

    Wie Crowdfunding im Journalismus zum Einsatz kommen kann

    Seit einigen Jahren nutzen Journalisten auch die Möglichkeiten des Crowdfunding, um publizistische Inhalte zu produzieren. Dabei spielt insbesondere der Gedanke einer freien Themenwahl, die unabhängig von Werbung und anderer finanzieller Herausforderungen ist, eine große Rolle. Das bedeutet, dass mittels Crowdfunding auch solche journalistischen Projekte finanziert werden, deren Refinanzierung ein zu großes Risiko darstellen würde. Ein Risiko, das nicht mehr jedes Medienhaus eingehen kann. Aufwendig recherchierte Geschichten treten deshalb oftmals in den Hintergrund.

    Journalismus_Auflage Zeitungen Deutschland

    Für den Einsatz von Crowdfunding im Journalismus lassen sich zwei Arten unterscheiden. Zum einen wird es für Vorhaben genutzt, die auf die Finanzierung eines bestimmten Projekts abzielen. Das bedeutet, dass das zu realisierende Projekt erst nach einem erfolgreichen Funding umgesetzt wird. In der Regel beschränkt sich diese Finanzierung auf ein konkretes Ziel und hat einen festen zeitlichen Rahmen.

    Die andere Ausprägung unterscheidet sich im Wesentlichen darin, dass ein journalistisches Projekt fortlaufend finanziert werden soll. Hierbei gibt es keinen zeitlichen Rahmen und die beteiligte Crowd wird direkt als Leserschaft in Form eines Abonnements gewonnen.

    Unabhängigkeit fördern und Digitalangebote ausbauen

    Welche Motivation treibt Journalistinnen und Journalisten an, wenn sie sich an die Crowd wenden? Zumeist soll ein von den großen Verlagen unabhängiger kritischer Journalismus entstehen, der von engagierten Nutzern getragen wird. Außerdem sollten die Möglichkeiten eines diversen, breit gefächerten Digitalangebots nicht mehr einzelnen Medienhäusern vorbehalten sein.

    Journalistische Angebote nutzten das Internet bis dato vor allem zur Beschleunigung und Generierung von Klicks – und damit auch, um Werbemöglichkeiten für Unternehmen attraktiver zu machen. Eine Verknappung der Inhalte und eine oberflächliche Berichterstattung waren die Folge.

    Dabei lässt sich das Internet ideal für analytische und erzählende Formate nutzen, die mit interaktiven Grafiken unterfüttert werden und so ein Thema umfassend durchdringen können. Die Webreportage Snowfall der New York Times zeigte 2012 erstmals die Möglichkeiten eines multimedialen Storytellings. Doch diese Formate waren zumeist nur solchen Medienhäusern vorbehalten, denen die notwendigen Ressourcen zur Verfügung standen.

    Journalismus_Snowfall NYT

    Mit Crowdfunding lässt sich das nun auch abseits großer Verlage und Zeitungen realisieren. Eine andere Nutzungsweise der digitalen Finanzierung rührt aus einer strategischen Sichtweise: Für regionale Blätter dient die Schwarmfinanzierung zur Erweiterung des Digitalangebots.

    Krautreporter und Republik: Alternative Finanzierungsmodelle haben sich etabliert

    Wie diese Symbiose aus Schwarmfinanzierung und Journalismus funktioniert, lässt sich an einigen Projekten zeigen, die in den vergangenen Jahren erfolgreich anliefen. Einer der ersten waren die Krautreporter, die 2012 als Crowdfunding-Portal für einzelne Journalismus-Projekte starteten. Drei Jahre später wandelten sich die Krautreporter in ein mitgliederfinanziertes Online-Magazin. Zuvor sammelten sie per Crowdfunding rund 900.000 Euro von 15.000 Abonnenten ein. Die Geldgeber zahlten 60 Euro für das erste Jahr und erhielten freien Zugang zu den Artikeln. Außerdem gab es die Möglichkeit die Beiträge zu kommentieren. Heute verzeichnet Krautreporter 17.000 Mitglieder, die regelmäßig für die Inhalte bezahlen.

    Logo_Krautreporter

    Blickt man in die Schweiz, so hat das Online-Magazin Republik in der Vergangenheit mit seiner Crowdfunding-Runde für Furore gesorgt. Das kleine Gründungsteam sammelte zum Start 2017 mehr als zwei Millionen Euro von rund 8.000 Unterstützern ein. Ähnlich wie die Krautreporter oder die Tageszeitung taz ist das Magazin genossenschaftlich organisiert, jeder Abonnement-Inhaber ist gleichzeitig Verleger. Die Ausrichtung ist klar: Lange, gut recherchierte und aufbereitete Texte werden angeboten. Statt auf crossmediales Storytelling zu setzen, gilt das Vertrauen dem ausführlichen Text.

    Logo_Republik

    Journalismus abseits großer Medienhäuser

    Ob sich das Modell auch zukünftig trägt, steht indes offen: die Republik hat finanzielle Schwierigkeiten, trotz 24.500 zahlender Abonnenten. In seinem ersten Jahr verzeichnete das Online-Magazin ein Minus von 2,5 Millionen Euro. Das dürfte vor allem an der Qualität des Angebots liegen. Denn guter Journalismus ist personalintensiv und deshalb teuer. Außerdem fließt viel Geld in Marketing, um genügend neue Abonnenten zu gewinnen.

    Und dennoch: Crowdfunding für Journalismus hat sich zu einer Alternative entwickelt, die Projekte abseits der großen Verlage und Medienhäuser vorantreibt. Sei es, um unabhängigen und von Werbung befreite Inhalte anbieten zu können, oder um die strategische Entwicklung kleinerer Blätter voranzutreiben.

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