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    Recht | 2 Min Lesedauer

    Änderungen des KASG – wohin führt die Reise der Crowd?

    Die Evaluierung des Kleinanlegerschutzgesetzes (KASG) führt zu mehr Beinfreiheit für die Crowdinvesting-Branche. Einhergehend mit einer zunehmenden Marktpräsenz steigen aber auch die Anforderung an alle Beteiligten, kommentiert Dr. Ferdinand Unzicker, Rechtsanwalt und Fachanwalt für Bank- und Kapitalmarktrecht. 

    Vor wenigen Tagen traten die Neuregelungen des Kleinanlegerschutzgesetz in Kraft. Diese gewähren der Schwarmfinanzierung und allen dabei involvierten Akteuren einen größeren Handlungsspielraum. Wie sich das Vermögensanlagengesetz konkret ändert, erfahren Sie in unserem Blogbeitrag.

    Auch im Wertpapierprospektrecht gestaltet sich eine neue Rechtslage: Bei einem Emissionsvolumen von bis zu acht Millionen Euro unter den Voraussetzungen der §§ 4 ff WpPG n. F. ist nur ein Wertpapier-Informationsblatt (WIB) anstelle eines Verkaufsprospekts zu veröffentlichen. Viel wichtiger als die Erhöhung der prospektfreien Emissionsvolumina ist dabei die Anhebung der Einzelanlageschwelle auf 25.000 Euro, zumal der bisherige Schwellenwert von 10.000 Euro den realistisch erzielbaren Emissionsvolumina ohnehin natürliche Grenzen setzte.

    Alternative Finanzierungsarten treten aus der Nische heraus

    Selbst in den Hochzeiten des klassischen Fondsvertriebs Mitte der 2000er-Jahre lag das durchschnittliche Investment eines Anlegers bei Werten um 25.000 Euro. Schwarmfinanzierung ist daher längst kein Nischenprodukt mehr. Sie wird mehr denn je auch für das klassische Privatanlegerpublikum zugänglich.

    Der Gesetzgeber, der in den vergangenen 25 Jahren so gut wie jeden Bereich des Kapitalmarktrechts auf nationaler wie auf europäischer Ebene regulatorisch verdichtete, positioniert sich gegenüber der Crowd weiterhin liberal. Damit geht einher, was insbesondere in der neuen EU-Prospekt-Verordnung zum Ausdruck kommt: kapitalmarktbezogene Unternehmensfinanzierungen sollen gefördert und gegenüber klassischen Bankfinanzierungen attraktiver gemacht werden.

    Steigende Marktpräsenz erfordert professionelles Verhalten

    Aber selbst günstige regulatorische Rahmenbedingungen nutzen am Ende nichts, wenn ein bestimmtes Segment am Markt „verbrannt“ wird. Schon eine einzige Skandalgeschichte, die ausreichend öffentliche Wahrnehmung auf sich zieht, reicht aus, um den angrenzenden Finanzmarkt auf Jahre zu beschädigen. Seriöse Anbieter, die nach mehrfachen Containerpleiten den an sich durchaus tragfähigen Markt der Direktbeteiligungen beackern wollen, wissen hiervon ein Lied zu singen.

    Die Crowdinvesting-Branche hat es daher selbst in der Hand, wie sich ihre Zukunft entwickelt. Es müssen gute Produkte am Markt platziert werden. Nach Möglichkeit muss alles dafür getan werden, untaugliche Emissionen vom Markt fernzuhalten. Gerade wenn durch die Erhöhung der Einzelanlageschwellen wesentlich breitere Anlegerkreise angesprochen werden, haben negative Entwicklungen mit möglichen Totalausfällen auch wesentlich mehr Skandalpotenzial. Die steigende Marktpräsenz macht professionelles Marktverhalten daher unabdingbar.

    Crowdinvesting-Branche hat es in der Hand

    Was ein „gutes“ Produkt ist, kann natürlich nicht allgemein formuliert werden. Betriebswirtschaftliche Tragfähigkeit ist dabei sicherlich eine elementare Anforderung. Dabei kann es hilfreich sein, Prognosen, auch wenn dies die Rechtsprechung streng genommen gar nicht verlangt, mit gewissen Sicherheitsabschlägen und somit etwas konservativer zu rechnen.

    Der Anleger muss in der Lage sein, eine transparente Anlageentscheidung zu treffen. Der Entfall der Prospektpflicht für kleinere Emissionen ist zu begrüßen. In komplexeren Fällen ist es aber durchaus eine Herausforderung, alle wesentlichen Informationen auf drei DIN-A4-Seiten des Vermögens-Informationsblatts (VIB) oder des Wertpapier-Informationsblatt (WIB) unterzubringen.

    Chance nutzen und Vertrauen gewinnen

    Ein zusätzliches Informationsmemorandum kann in diesen Fällen für Vertrauen, Transparenz und Akzeptanz sorgen. Die Branche der digitalen Direktfinanzierungen hat es also in erster Linie selbst in der Hand, für neue Standards und für eine positive Wahrnehmung im modernen, internetbasierten Finanzvertrieb zu sorgen. Dem sei viel Erfolg gewünscht. Denn gelingt dies nicht, wird es mit der Marktakzeptanz und der gesetzgeberischen Willkommenskultur gegenüber der Schwarmfinanzierung und prospektfreien Produkten schnell vorbei sein.

    Bildquelle: pexels.com

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    Dr. Ferdinand Unzicker

    Dr. Ferdinand Unzicker, Fachanwalt für Bank- und Kapitalmarktrecht, ist seit Jahren auf Anbieterseite im Bereich des Kapitalmarktaufsichtsrechts tätig und vertritt Banken und Finanzdienstleister bei der Abwehr von Anlegerbeschwerden. Er tritt regelmäßig als Autor von Fachbeiträgen sowie als Seminarreferent in Erscheinung. Seit 2019 berät er in der von ihm neu gegründeten Kanzlei Ammersbach Unzicker, München.

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