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    Kapital Digital Featured | 10 Min Lesedauer

    Zeichen auf Grün: Nachhaltige Finanzierung für Unternehmen

    Was bedeutet Nachhaltigkeit bei Finanzierungen und wie funktioniert sie? Welche Finanzinstrumente gibt es und welche Vorteile bieten sich Unternehmen? Diese und weitere Fragen beantworten wir für Sie in diesem Artikel.

    Im Mai 2021 hat die Bundesregierung erstmals eine Strategie für nachhaltige Finanzierung beschlossen: „Sustainable Finance“ hat das Ziel, die Bedingungen für Investitionen in Klimaschutz und Nachhaltigkeit zu verbessern – und so zu mobilisieren. Damit sollen die Weichen in der Finanzwirtschaft neu gestellt werden: mit einem nachhaltigen Leitmotiv, das grüne Investments deutlich attraktiver macht.

    In der Erklärung der Bundesregierung dazu heißt es:

    „Der Finanzmarkt kann Billionen von Euro in Richtung Klimaschutz und Nachhaltigkeit bewegen. Nachhaltig investieren bedeutet, Geld zukunftsorientiert anzulegen und damit den Strukturwandel zu unterstützen.“

    Der Maßnahmenkatalog, bestehend aus 26 Maßnahmen, strebt EU-einheitliche Regelungen an, die vor allem auf einem gemeinsamen Verständnis von Nachhaltigkeit begründet werden sollen.

     

    Inhalt

    1. Was ist nachhaltige Finanzierung und wie funktioniert sie?

    2. Welche Finanzinstrumente gibt es bei nachhaltiger Finanzierung?

    3. Wie können Unternehmen nachhaltige Finanzierung für sich nutzen?

    4. Was sind Auswirkungen und Herausforderungen nachhaltiger Finanzierung?

    5. Fazit



    1. Was ist nachhaltige Finanzierung und wie funktioniert sie?


    Wie nachhaltig ist eine Finanzierung? Die Antwort auf diese Frage hängt von der Definition von Nachhaltigkeit ab, die bisher nicht einheitlich gegeben ist. Grundlegend ist jedoch: Die Bewertung eines Finanzinstruments kann nicht nur nach ökonomischen, sondern auch nach nachhaltigen Kriterien erfolgen. Diese Nachhaltigkeitskriterien werden oft auch als ESG-Kriterien bezeichnet – Environmental, Social und Governance. Für Anleger:innen und Emittenten nachhaltiger Finanzprodukte ist die Transparenz und Validität dieser Kriterien maßgeblich. Klimaneutralität, Biodiversität, Menschenrechte – Emittenten müssen den nachhaltigen Wert ihres Finanzinstruments belegen. Das kann z.B. auf der EU-Taxonomie für nachhaltige Wirtschaftsaktivitäten, dem EU-Green Bond Standard oder den Vorgaben für Corporate Social Responsibility basieren.



    Was sind die ESG-Kriterien?


    Welche nachhaltigen Auswirkungen ein Unternehmen oder ein Investment hat, kann mithilfe der ESG-Kriterien angegeben werden: Dabei spielt neben ökologischen (E) und sozialen Aspekten (S) auch die nachhaltige Unternehmensführung eine Rolle (G). Es existiert jedoch bisher keine einheitlich verbindliche Definition oder Bewertungssystem der Kriterien.
     
    ESG

    Der Markt für nachhaltige Finanzierung wächst. Laut Climate Bonds Initiative wurden in 2020 1.073 Milliarden US-Dollar in nachhaltige Anleihen investiert. Der größte Anteil entfällt dabei auf europäische Emittenten. Insbesondere bei grünen Anleihen, also solchen mit einem ökologischen Impact, dominiert Europa mit einem „reiferen Markt für grüne Anleihen, der viele große Emittenten aus dem privaten und öffentlichen Sektor umfasst“

    2. Welche Finanzinstrumente gibt es bei nachhaltiger Finanzierung?

    Auch wenn es bisher keine einheitliche Definition zu nachhaltigen Finanzinstrumenten gibt, lassen sich grundsätzlich zwei Formen nachhaltiger Finanzierungen unterscheiden.

    I. Zweckgebundene Finanzierungen

    Zu Finanzierungen, deren Emissionserlöse ausschließlich für konkrete Projekte mit einem positiven Umwelt- oder Sozialeffekt verwendet werden, zählen vor allem „Green Bonds“ und „Social Bonds“.

    Nachhaltige Bonds: Es existiert wie oben beschrieben derzeit noch kein gesetzliches Regelwerk für diese Form der Anleihen, die als Green oder Social Bonds ausgegeben werden. Jedoch haben sich gewisse Marktstandards etabliert, die sogenannten Green Bond Principles. Neben der ausschließlichen Verwendung der Mittel für nachhaltige Investitionsprojekte müssen Emittenten ihre Anleger:innen über die Mittelverwendung informieren. Einige Emittenten setzen hierbei auf spezialisierte Agenturen.

    Green Schuldschein: Der grüne Schuldschein ist ein Finanzinstrument, das es so nur auf dem deutschen Kapitalmarkt gibt: Der Windkraftanlagen-Hersteller Nordex platzierte 2016 den ersten grünen Schuldschein. Porsche brachte 2019 öffentlichkeitswirksam ein entsprechendes Papier auf den Markt: mit einem Rekordvolumen von 1 Milliarde Euro. Genau wie bei den Green Bonds darf das Kapital ausschließlich für nachhaltige Zwecke eingesetzt werden.

     

    II. ESG-Linked Finanzierungen

    Bei diesen Finanzierungen ist die Mittelverwendung anders als bei den oben genannten Papieren nicht unmittelbar zweckgebunden. Somit können die Emissionserlöse auch zur allgemeinen Unternehmensfinanzierung verwendet werden. Die Konditionen werden jedoch an vordefinierte Nachhaltigkeitskriterien (KPIs) oder ein ESG-Rating gekoppelt. Hierzu gehören Anleihen, Kredite und Schuldscheindarlehen. Verbessert sich die Nachhaltigkeitsperformance, sinken die Kosten der Finanzierung. Werden die Ziele jedoch verfehlt, steigen auch die Kosten.



    Wann sind Finanzprodukte nachhaltig? EU Taxonomie vs. "Nachhaltigkeitsampel" 
     



    3. Wie können Unternehmen nachhaltige Finanzierung für sich nutzen?

    Der Strategie Sustainable Finance liegt das Verständnis zugrunde, dass Kriterien der Nachhaltigkeit gleichermaßen auch Anlagekriterien sind: Je größer die Nachhaltigkeitsrisiken, desto größer auch die Anlagerisiken. Ziel und Voraussetzung werden es sein, diese Kriterien einheitlich und messbar zu definieren, um Transparenz und Vergleichbarkeit und damit auch Orientierung und Vertrauen zu schaffen.

    I. Transparenz bieten

    Für Unternehmen bedeutet diese Gleichung: Mit einem belegbaren, nach einheitlichen Kriterien bewerteten nachhaltigem Finanzprodukt können Unternehmen ein neues Level an Transparenz erreichen – gegenüber allen Stakeholdern. Durch das klare Bekenntnis zu nachhaltigen Kriterien bei Finanzierungsfragen setzen Unternehmer:innen ein klares Zeichen gegenüber Zulieferern, Mitarbeitenden und Kund:innen. Auch ohne ein initial grünes oder nachhaltiges Geschäftsmodell sind nachhaltige Finanzinstrumente ein wichtiger Baustein hin zu einer nachhaltigen Unternehmensstrategie. Der Reputationsgewinn spielt hier eine wichtige Rolle bei der Entscheidung für ein nachhaltiges Finanzinstrument.

    II. Neue Investor:innen gewinnen

    Eine nachhaltige Unternehmensfinanzierung hat das Potenzial, neue Investoren zu erschließen. Für private Anleger:innen werden nachhaltige Kriterien zunehmend zu wichtigen Entscheidungskriterien. Die Nachfrage für nachhaltige Investments nimmt beständig zu.

    „Die großen institutionellen Kunden wie Versicherer und Asset Manager fragen immer stärker grüne Anlagen nach. Denn aus ihrer Sicht gehört der Klimawandel seit Jahren zu den Top-3 der globalen Risiken – und darauf möchten sie mit grünen Anlagen reagieren"

    Carola von Schmettow, CEO von HSBC Deutschland

    Die Nachfrage sei derzeit größer als das Angebot.

    Das bestätigt auch der Marktbericht des Forums nachhaltige Geldanlagen: Die Nachfrage privater Investoren nach nachhaltigen Fonds und Mandaten ist laut Bericht 2019 um 96 Prozent gestiegen. Insbesondere diese wachsende Nachfrage des privaten Kapitalmarkts nach nachhaltigen Finanzprodukten macht sie für Unternehmen interessant, die nicht über den klassischen Kapitalmarkt finanzieren. Für Schwarmfinanzierungen steigt die Fundingwahrscheinlichkeit bei nachhaltigen Finanzprodukten also signifikant, denn sie treffen auf eine wachsende Anlegerschaft.

    III. Förderung nutzen

    Sowohl auf nationaler als auch auf EU-Ebene gibt und soll es zahlreiche Programme geben, welche Transformationsaktivitäten von Unternehmen hin zu einem nachhaltigen Geschäftsmodell fördern. Die Unterstützung des Ausbaus der KfW-Bank zur Transformationsbank ist ein Aspekt, der bei der Finanzierung nachhaltiger Aktivitäten genannt wird. Förderkredite oder Tilgungszuschüsse, z. B. bei der Finanzierung von Energieeffizienz, sollen zusätzliche Anreize bieten.

    Mit dem Zukunftsfonds will die Bundesregierung einen Beitrag am Kapitalmarkt leisten, sodass Start-ups „im Umwelt- und Sozialbereich insbesondere in ihrer kapitalintensiven Skalierungsphase von den zusätzlichen Finanzmitteln des Zukunftsfonds und seiner Finanzierungspartner:innen profitieren können“ – heißt es im Strategiepapier des Bundes. Durch das „Pari passu“-Prinzips investiert der Zukunftsfonds simultan und zu denselben Bedingungen wie seine unabhängigen privaten Kapitalpartner:innen.




    4. Was sind Auswirkungen und Herausforderungen nachhaltiger Finanzierung?

    Die Zukunftsfähigkeit nachhaltiger Geschäftsmodelle und damit auch nachhaltiger Finanzierung liegt auf der Hand. Und doch bleibt ihre Belegbarkeit die größte Herausforderung. Eine große Anzahl von Siegeln und Zertifikaten wird am Markt gehandelt: Das Spektrum reicht von übergeordneten Bewertungsansätzen und Standards über spezifischeKlimaschutz-, Energie- oder Arbeitsschutz-Siegeln bis hin zu Zertifikaten und Mitgliedschaften in Verbänden oder Initiativen.[1] Der Aktionsplan der EU und die Strategie der Bundesregierung versuchen hier über regulatorische Maßnahmen Einheitlichkeit herzustellen. Nicht ganz einfach hat z. B. die Bundesregierung bei der Frage nach Atomstrom ein klares Nein parat während im Nachbarland Frankreich Energie aus Atomstrom kein Ausschlusskriterium für nachhaltiges Wirtschaften ist.

    Vorteil und Herausforderung: Transparenz statt Greenwashing

    Für Emittenten nachhaltiger Finanzinstrumente ist die Integration der ESG-Kriterien eine Möglichkeit, ihre Nachhaltigkeit zu belegen. Die Definition von klaren Ausschlusskriterien wird ebenfalls häufig angewendet, um Transparenz für Anleger:innen herzustellen. Diese Ausschlusskriterien sollten sich an gültigen Standards orientieren, welche Nachhaltigkeit global und allgemein gültig definieren und so z. B. auch für die Nachhaltigkeitsberichterstattung angewendet werden. Doch sollten diese Standards vielmehr als Leitplanken gesehen werden. Ein Bekenntnis allein ist noch keine nachhaltige Strategie.

    Die am häufigsten angewendeten Standards sind:

    Global Compact: In diesem Pakt der Vereinten Nationen sind 10 soziale und ökologische Prinzipien definiert. Laut der Global Compact Initiative haben in Deutschland mehr als 600 Unterzeichner:innen ihr Bekenntnis zu den Standards des Compact gegeben.

    DNK: Der Deutsche Nachhaltigkeitskodex wurde vom Rat für nachhaltige Entwicklung initiiert. Er soll insbesondere für KMU ein geeignetes Rahmenwerk sein, um Nachhaltigkeitsleistungen zu erheben, berichten und verbessern. Er enthält 20 Kriterien und 28 Leistungsindikatoren zu Nachhaltigkeit.

    SRS und GRI: Der Sustainability Reporting Standard der Global Reporting Initiative umfasst 36 Module und 120 Indikatoren. Die Berichtspflicht, die auf europäischer und nationaler Ebene seit 2017 für bestimmte Unternehmen (z. B. ab 500 Mitarbeitenden) gilt, wird mit der im April 2021 vorgestellten neuen EU-Vorlage „Corporate Sustainability Reporting Directive“ auf weitere Unternehmen ausgeweitet werden – und ab 2022 auch auf nationaler Ebene definiert sein müssen. Die GRI Richtlinie ist der Standard, der in der Nachhaltigkeitsberichterstattung am häufigsten Anwendung findet.

    In einer Studie des Beratungsunternehmen Deloitte aus diesem Jahr wurden Faktoren ermittelt, welche Unternehmen in der Umsetzung ihrer eigenen Nachhaltigkeitsstrategie zögern lassen. Die „kurzfristige Erwartungen von Aktionären und Investoren (37 Prozent) oder „Probleme bei der Rechtfertigung des erwarteten Return-on-Investment (29 Prozent)“ sind neben „mangelnden regulatorischen Vorgaben (28 Prozent) und der schwierigen Ermittlung des erzielten Umwelteffekts (23 Prozent)“ häufig genannte Gründe.

    Doch genau diese Herausforderungen sind für Unternehmen, die den privaten Kapitalmarkt bedienen, vergleichsweise gering: Sie treffen auf Anleger:innen, die nach sinnvollen Investments suchen und bereit sind, ihre Erwartungen entsprechend anzupassen. Bei institutionellen Anlegern belegen zahlreiche Studien noch immer eine Lücke zwischen der Absicht, nachhaltig zu investieren und dem tatsächlichen Handeln.

    Für Emittenten, die erstmalig ein nachhaltiges Finanzprodukt platzieren, wird der Aufwand aufgrund der Transparenz- und Berichtspflicht vergleichsweise hoch sein. Betrachtet man den Aufwand als Teil einer nachhaltigen Unternehmensstrategie ist er gleichsam ein Investment in die nachhaltige Zukunft des Unternehmens. Einen großen Vorteil bieten hier
    digitale Finanzinstrumente, die mit vergleichsweise kleinerem Aufwand und einer besseren Informationsstruktur der Anleger:innen platziert und koordiniert werden können.

    5. Fazit

    Bei nachhaltigen Finanzierungen hat der private Kapitalmarkt einen gewaltigen Vorsprung gegenüber dem klassischen Kapitalmarkt: Über Schwarmfinanzierung können sich Anleger:innen auch mit kleineren Investments an nachhaltigen Projekten beteiligen – und damit ethisch und ökologisch sinnvoll investieren. Hier finden sie Angebote für ihre Nachfrage, die sie über den klassischen Kapitalmarkt nicht ausreichend oder ausreichend transparent bedient sehen. Und die Transparenz ist bei Crowd-Finanzierungen obligatorisch: Emittenten wie Sono Motors, Africa Greentech oder Fair Food berichten und informieren aus dem eigenen Selbstverständnis heraus voll transparent und öffentlich über ihre Mittelverwendung – ganz ohne regulierende Vorgaben.

    Für Unternehmen sind nachhaltige Finanzierungen z. B. mittels Crowdinvesting-Instrumenten, ob zweckgebunden oder an ESG-Kriterien gekoppelt, eine doppelte Chance: Ihr Finanzierungsvorhaben schneller zu realisieren und gleichzeitig die Weichen für eine nachhaltige Unternehmensstrategie zu stellen. Der Vorreitereffekt wirkt sich dabei nicht nur auf Investor:innen aus: auch Kund:innen und junge Talente machen nachhaltige Kriterien zu einer maßgeblichen Kauf- und Jobentscheidung und darauf strahlt auch eine Crowd mit nachhaltigem Wertesystem ab.

     

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