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    Recht Featured | 5 Min Lesedauer

    FAQ: Was sind Steuerausländer?

    Ob beim Nachrangdarlehen oder bei klassischen Wertpapieren: Wer Erträge aus Kapitalanlagen erzielt, der muss diese versteuern. Kapital wird allerdings über Landesgrenzen hinweg angelegt – und ein Investoren wird zum Steuerausländer. Was bedeutet das?

    Im Zuge  der neuen Verordnung des European Crowdfunding Service Provider wird auch die Frage nach der Versteuerung von Kapitalerträgen im In- und Ausland dringender. Im folgenden FAQ erfahren Sie alles Wichtige zum Thema Steuerausländer und ihrem Umgang mit der Kapitalertragssteuer.

    Steuerausländer: Alle wichtigen Informationen

    Was für Voraussetzungen muss eine Person erfüllen, um in Deutschland als Steuerausländer zu gelten?

    Jede Person, die in Deutschland keinen Wohnsitz oder seinen gewöhnlichen Aufenthaltsort hat, aber im Inland bestimmte Einkünfte erzielt, ist für das deutsche Finanzamt ein Steuerausländer.

    Klassisches Beispiel: Nehmen wir eine Person, die in Österreich ihren Wohnsitz hat und dort Einkünfte erzielt. Diese Person investiert in Deutschland Kapital in ein grundschuldbesichertes Darlehen, ist aber sonst in keiner Weise hierzulande präsent. Das ist aus Sicht des deutschen Fiskus ein Steuerausländer, der steuerpflichtige Einkünfte im Inland hat.

    Gibt diese Person hingegen ein Privatdarlehen wie z. B. häufig im Crowdlending-Bereich, ist bisher häufig keine Kapitalertragsteuer einbehalten worden und sie hat die Zinsen ohne Steuerbelastung erhalten. Diese muss sich dann nach den Regeln des Ansässigkeitsstaats (in diesem Fall Österreich) versteuern.

    Wer kann Steuerausländer sein?

    In Deutschland können folgende Personengruppen Steuerausländer sein:

    • – Auswanderer, die Deutschland verlassen haben und im neuen Staat einer unbeschränkten Steuerpflicht unterliegen, aber im Inland noch bestimme Einnahmen (§ 49 Einkommensteuergesetz (EStG)) haben. Es ist zu beachten, dass für Auswanderer noch speziellere Vorschriften des deutschen Außensteuergesetzes gelten können
    • – Investoren, die zwar in Deutschland in Kapitalanlagen investiert haben, hier aber weder leben noch arbeiten
    • – Diplomaten und Angehörige ausländischer Truppen oder spezieller internationaler Organisationen

    Wann fällt eine Kapitalertragssteuer an?

    Wer sein Kapital investiert und daraus Gewinne erzielt, der muss in der Regel eine Kapitalertragssteuer bezahlen. Die Kapitalertragssteuer unterliegt der jeweiligen nationalen Einkommenssteuer. Dazu zählen sowohl Zinsen aus Girokonten als auch Dividende aus Aktien oder Gewinne aus dem Verkauf von Aktien.

    In Deutschland beträgt die Steuer derzeit rund 26,375 % zzgl. eventuell anfallender Kirchensteuer. In der Regel wird diese Steuer von der Bank einbehalten und nur der Nettobetrag gutgeschrieben.

    Allerdings fällt nicht immer eine Kapitalertragsteuer an. Derzeit ist dies z. B. für zahlreiche Darlehen im Crowdlending der Fall. Diese Darlehen erfüllen häufig nicht die Voraussetzungen für einen Kapitalertragsteuerabzug.

    Es kann auch sein, dass für das kapitalaufnehmende Unternehmen oder dessen Finanzamt nicht eindeutig ist, dass Kapitalertragsteuer einzubehalten ist. Steuerinländer haben diese Erträge in der Einkommensteuererklärung anzugeben.

    Für Steuerausländer ist allerdings zu beachten, dass diese Erträge häufig auch nicht einkommensteuerpflichtig sind, da die speziellen Voraussetzungen einer Steuerpflicht von Kapitalerträgen in dem für Steuerausländer anzuwendenden § 49 Einkommensteuergesetz (EStG) nicht erfüllt sind.

    Hat das Darlehen allerdings solche Merkmale, das es als partiarisches Darlehen gilt und somit eigenkapitalähnlich ist, wird ähnlich wie bei Dividenden Kapitalertragsteuer einbehalten.

    Bei vielen Crowdlending-Darlehen ist unklar, ob sie partiarisch sind und deswegen Kapitalertragsteuer einzubehalten ist. Dies sollte regelmäßig durch den Crowdlending-Emittenten mit dem zuständigen Finanzamt geklärt werden.

    Um diesen Schwierigkeiten zu begegnen und eine Besteuerung im Inland zu sichern, wird ab 2021 ein Kapitalertragsteuerabzug für nahezu alle Crowdlending-Darlehen eingeführt.

    Für Steuerausländer wird dann die Kapitalertragsteuer definitiv fällig, obwohl Erträge aus Crowdlending dem Grunde nach weiterhin nicht einkommensteuerpflichtig sind – es sei denn sie stammen aus partiarischen Darlehen. 

    Welchen Steuerpflichten unterliegen Steuerausländer?

    Grundsätzlich haben auch beschränkt steuerpflichtige Steuerausländer eine Erklärungspflicht für ihre Einnahmen, soweit sie vom Katalog des § 49 EStG erfasst sind und keine Kapitalertragsteuer erhoben worden ist. Regelmäßig ist damit der Bereich der Vermietungseinnahmen oder gewerblichen Einkünfte betroffen.

    Bei Crowdlending besteht regelmäßig keine Steuerpflicht. Falls aber dennoch Kapitalertragsteuer vom Emittenten/Bank einbehalten worden ist, können Steuerausländer die Erstattung bei speziellen Finanzämtern oder dem Bundeszentralamt für Steuern beantragen.

    Ab 2021 wird automatisch die Kapitalertragsteuer abgezogen. Hier wäre den Anlegerinnen und Anlegern bei vielen Kapitalerträgen zu empfehlen, dass er eine Ausstellung einer Nichtveranlagungsbescheinigung beantragt

    Welche Vorteile haben Steuerausländer?

    Grundsätzlich müssen Steuerausländer deutlich weniger Kapitaleinkünfte besteuern als Steuerinländer, da Steuerausländer regelmäßig die Kapitaleinnahmen auch im Ansässigkeitstaat versteuern müssen.

    Abweichendes kann ein Doppelbesteuerungsabkommen regeln, jedoch ist der deutsche Steuerzugriff schon auf Basis des Einkommensteuergesetzes sehr beschränkt.

    Regelmäßig müssen Steuerausländer in der Regel keine Steuererklärung abgeben.

    Auch haben sie bei korrekter steuerlicher Einordnung nur wenig Kapitalertragsteuerabzüge auf Fremdkapitalvergütungen.

    Dafür bedarf es aber im Vorfeld regelmäßig eines Antrags des Steuerausländers auf Erstellung von Nichtveranlagungsbescheinigungen oder entsprechender Schlüsselung bei der dafür zuständigen Stelle. Hier ist eine Unterstützung seitens Steuerberatern sinnvoll.

    Welche Nachteile haben Steuerausländer?

    Es kann vorkommen, dass die Kapitalertragsteuer einbehalten wird, obwohl die zugrundeliegenden Einnahmen in Deutschland nicht steuerpflichtig sind. Hier sollten Steuerausländer frühzeitig tätig werden und die Nichtveranlagungsbescheinigungen bei den deutschen Finanzämtern beantragen, damit keine Kapitalertragsteuer einbehalten wird. 

    Wenn die Kapitalertragsteuer wie z. B. zukünftig beim Crowdlending ohne tatsächlich gegebenem Besteuerungsgrund einbehalten wird, dann müssen Ausländer aufwändigere Erstattungsanträge beim Bundeszentralamt für Steuern oder bei speziellen für ihre Ansässigkeitstaaten zuständigen Finanzämtern für die einbehaltenen Steuern stellen. Ab 2021 wird es hier eine zentrale Zuständigkeit des Bundeszentralamts für Steuern geben.

    Hier sind spezielle Fristen zu beachten. Eine Abgabe einer einfachen Steuererklärung ist regelmäßig nicht möglich.

    Wie verhält es sich mit so genannten „EU-Ausländern“?

    Hier gibt es derzeit bei Zinseinnahmen nur sehr wenige Unterschiede zwischen:

    • – In Deutschland ansässige Personen (Steuerinländer)
    • – In der Europäischen Union ansässige Personen (EU-Ausländern)
    • – In Drittstaaten oder „EU-Ausland“ ansässige Personen, hierbei wird keine Unterscheidung zwischen der Schweiz und beispielsweise der USA gemacht

    Allerdings haben EU-Ausländer bei grundsätzlichen Besteuerungsunterschieden zwischen Steuerinländern und Steuerausländern ein Recht auf Gleichstellung der Besteuerung mit Inländern (Kapitalverkehrsfreiheit).

    Praktisch bedeutsam wurde dies in der Vergangenheit für Portfoliodividenden (<10 % Anteilsbesitz), die bei bestimmten Inländern steuerfrei waren, bei Ausländern nicht. Die betroffenen Ausländer haben die Steuern erstattet bekommen. Allerdings wurden Portfoliodividenden inzwischen bei allen steuerpflichtig.

    Wie kann ein Steuerausländer aus einem Mitgliedsstaat der Europäischen Union die Erstattung seiner Steuern aus Einkommen in Deutschland beantragen?

    Grundsätzlich kann eine EU-Bürger ebenso wie ein Drittstaatenangehöriger die Erstattung beim Bundeszentralamt für Steuern beantragen oder bei speziellen Länderfinanzämtern. Bei EU-Bürger besteht keine Möglichkeit, dass die Veranlagungsmöglichkeit für Arbeitseinkünfte auch für Kapitalerträge gilt. Es bleibt auch hier bei den Anträgen beim Bundeszentral für Steuern. Gleiches gilt für Steuerausländer aus einem Drittstaat oder EU-Ausland.

    Wie verhält es sich mit Steuerausländern, die bei einer EU-Institution arbeiten?

    Hier gelten Sonderregelungen. Arbeitet eine Person beispielsweise bei der Europäischen Zentralbank (EZB) in Frankfurt am Main und hat auch dort ihren Wohnsitz, kommt aber ursprünglich aus Italien, dann ist sie in Italien steuerpflichtig.

    Die Kapitalerträge werden entsprechend auch in Italien versteuert und nicht in Deutschland. Diese Personen haben einen besonderen Status. Das deutsche Finanzamt stellt dieser Person auf Antrag eine entsprechende Bescheinigung aus.

     

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    Rolf Martin

    Rolf Martin ist Steuerberater und Fachberater für internationales Steuerrecht. Er ist als Partner bei der Nau Steuerberater Partnerschaft mbB in Frankfurt am Main tätig.

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