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    Kapital Digital Featured | 5 Min Lesedauer

    Sustainable Finance – Finanzierung einer nachhaltigen Zukunft

    Sustainable Finance soll die Nachhaltigkeitstransformation des 21. Jahrhunderts substantiell befördern. Das Ziel lautet: Kapital soll aktiv zu einer ökologisch und sozial nachhaltigen Zukunft beitragen. Aber was genau wird unter dem Begriff verstanden? Und welche Rolle können Schwarmfinanzierungen in diesem Kontext spielen?

    25.08.2020 – “…awareness is rapidly changing, and I believe we are on the edge of a fundamental reshaping of finance.” Mit dieser Aussage richtete sich Larry Fink, CEO von BlackRock, Anfang dieses Jahres an die größten Unternehmen weltweit. Fink gehört zu den mächtigsten Akteuren der Finanzbranche. Der Chef des größten Vermögensverwalters wacht über Anlagen im Wert von knapp 7,5 Billionen US-Dollar. Eine solche Aussage eines so einflussreichen CEOs ist ein klares Zeichen dafür, dass das Finanzsystem sich schon mitten in einem Wandel hin zu mehr Nachhaltigkeit befindet. Das Schlagwort Sustainable Finance ist dementsprechend allgegenwärtig in der Finanzwelt.

    Sustainable Finance soll Antworten auf Fragen des nachhaltigen Einsatzes von Kapital bieten. So sollen mitunter folgende Fragen beantwortet werden:

    • - Wie kann (mein) Geld die Welt zu einem nachhaltigeren Ort werden lassen?
    • - Wie können heutige Investitionen zur Sicherung einer lebenswerten Welt für meine Kinder und Kindeskinder beitragen?
    • - Wie lassen sich Rendite für meine Altersvorsorge und die Gestaltung eines nachhaltigen Ökosystems übereinbringen?
    • - Werden (meine) Renditen auf Kosten der sozialen Gerechtigkeit erzielt?

    Sustainable Finance: Kapital für eine nachhaltige Welt

    Um diese Fragen zu beantworten und entsprechende Lösungen zu implementieren, bedarf es eines grundlegenden Umbaus des Finanzsystems. Es gilt Strukturen zu etablieren, in denen Nachhaltigkeitsaspekte konsequent berücksichtigt werden. Dieser Gedanke ist auch im Pariser Klimaabkommen verankert. So soll das Finanzsystem „in Einklang gebracht werden mit einem Weg hin zu einer hinsichtlich der Treibhausgase emissionsarmen und gegenüber Klimaänderungen widerstandsfähigen Entwicklung.“ Weiterhin bedarf es genüg Finanzmittel, um die nachhaltigen Entwicklungsziele der Vereinten Nationen zu erreichen.

    CrowdDesk_Sustainable Finance_Nachhaltigkeit_25.08.2020

    Nun kann man sich fragen: Wie viel Geld ist überhaupt nötig, um die Ziele des Pariser Klimaabkommens sowie die nachhaltigen Entwicklungsziele zu erreichen? Schätzungen der Vereinten Nationen zufolge müssen jährlich weltweit fünf bis sieben Billionen US-Dollar in nachhaltige Entwicklungen fließen. Von dieser Zielmarke sind wir momentan weit entfernt. So sind alleine in Europa Investitionen von jährlich 270 Milliarden Euro notwendig, um „nur“ die ökologischen Aspekte der Nachhaltigkeit umsetzen zu können.

    Finanzsektor muss Nachhaltigkeit bei Entscheidungen berücksichtigen

    Für die Bereitstellung dieser Investitionssummen spielt die Finanzindustrie eine entscheidende Rolle. Banken, Fondsgesellschaften, Versicherer oder Vermögensverwalter müssen entsprechend ihre Geschäftsmodelle und ihre Entscheidungsprozesse auf Nachhaltigkeit ausrichten. Voraussetzung dafür ist die Schaffung von Rahmenbedingungen durch die öffentliche Hand oder öffentlich-privaten Initiativen. Diese müssen es privaten Organisationen erlauben, keine Wettbewerbsnachteile aus nachhaltigen Entscheidungen zu haben. Außerdem sind viele technische Aspekte zu klären, wie beispielsweise die Frage, ab wann eine Investition als nachhaltig einzustufen ist oder auf welche Art und Weise Risiken aus nicht-nachhaltigem Verhalten im Risikomanagement zu reflektieren sind.

    CrowdDesk_Nachhaltigkeit_Finanzbranche

    Welche Bestrebungen zur nachhaltigen Finanzwirtschaft gibt es weltweit?

    Maßnahmen werden zurzeit rund um den Globus unternommen, um Vorbilder zu schaffen und einen gemeinsamen Weg zu finden. Die französische Zentralbank legt beispielsweise offen, welche Klimarisiken wie auf ihr Portfolio wirken könnten. Der niederländische und der spanische Bankensektor haben sich jeweils dazu verpflichtet die Klimaziele des Pariser Klimaabkommens einzuhalten und entsprechende Strategien zur Reduktion des Treibhausgasausstoßes in ihren Portfolios zu entwickeln. Die Europäische Kommission implementiert seit 2018 einen Aktionsplan zur Finanzierung nachhaltigen Wachstums, der den Nährboden für Sustainable Finance in Europa schaffen soll. Die mexikanische Zentralbank bezieht seit kurzem Umweltrisiken in die Überwachungsprozesse von Finanzinstitutionen mit ein. Man erkennt schnell: es bewegt sich viel.

    Situation von Sustainable Finance in Deutschland

    Wie sieht die Situation hierzulande aus? Im Juni dieses Jahres haben 16 deutsche Akteure des Finanzsektors, darunter Deutsche Bank, Commerzbank, GLS Bank oder Landesbank Baden-Württemberg, eine Klimaschutz-Selbstverpflichtung unterzeichnet. Sie vereinen mehr als 5,5 Billionen Euro Aktiva auf sich und rund 46 Millionen Kundinnen und Kunden. Neu angepasste Kredit- und Investmentportfolios sollen künftig eine „Finanzierung der Transformation hin zu einer emissionsarmen und klimaresilienten Wirtschaft und Gesellschaft“ fördern. Bis 2022 sollen konkrete Pläne zur Umsetzung dieses Ziels stehen. Um das jetzige System allerdings so grundlegend zu ändern wie es die ökologischen und sozialen Herausforderungen erfordern, braucht es mehr als die Absichtserklärung von lediglich 16 Finanzakteuren.

    Auch die Politik muss klare Rahmenbedingungen für den deutschen Markt setzen und eine stärkere Lenkungswirkung forcieren. Ein erster Schritt in diese Richtung wurde bereits getan. Seit Juni 2019 gibt es einen Sustainable Finance-Beirat (SFB) der Bundesregierung, dessen Ziel: „Deutschland zu einem führenden Standort für Sustainable Finance“ zu entwickeln. Die Einsetzung des SFB war nötig, weil Deutschland bisher in diesem Bereich hinter Vorreitern in Europa zurückbleibt. Der Beirat sieht einen Bedarf für die Ausarbeitung strategischer Grundlagen, die Steigerung der Resilienz, die Beförderung der Transformation, die Schaffung von Transparenz und eine klare Rolle der öffentlichen Hand. Es gibt also noch viel zu tun.

    Nachfrage nach grünen Geldanlagen steigt

    Ein schnelles Agieren ist bei all diesen Anstrengungen gefragt. Die steigende Dringlichkeit zu mehr Handeln macht sich an vielen Enden bemerkbar. So zeigen die Hitzesommern 2018 und 2019, dass der Klimawandel in vollem Gang ist. Die Massenmobilisierung durch Fridays for Future machen deutlich, dass junge Menschen das Klima und die Natur am Herzen liegen.

    Diese Effekte spiegeln sich auch in der Kundennachfrage nach nachhaltigen Investitionsmöglichkeiten wider. Laut Umweltbundesamt erreichten sie im vergangenen Jahr ein Anlagevolumen von 183,5 Milliarden Euro. Hinzu kommen 44,9 Milliarden Euro aus nachhaltig verwalteten Eigenanlagen sowie 40,9 Milliarden Euro aus Kundeneinlagen von Spezialbanken. Wir sprechen dennoch von einem Nischenmarkt. Der Anteil am Gesamtmarkt liegt bei gerade einmal 5,4 %. Der Wandel muss also erst noch im „Mainstream“ ankommen und die Produktpalette muss noch ausgebaut werden.

    CrowdDesk_Sustainable Finance

    Wie kann es gelingen, diesen Wandel in weiten Teilen der Bevölkerung zu verankern?

    Sustainable Finance und Schwarmfinanzierungen

    Schwarmfinanzierungen können auch heute schon den Zugang für Kunden zu nachhaltigen Investitionsmöglichkeiten erleichtern. Selbst wenn die Bank oder der Vermögensverwalter bisher kein passendes Angebot aufgebaut hat, kann sich jeder über ein Crowdinvesting – auch mit kleinen Investitionssummen – an nachhaltigen Projekten beteiligen. Dabei sind Crowdinvesting-Projekte dem „Mainstream“ in puncto Transparenz um einige Jahre voraus. Denn Emittenten solcher Projekte müssen schon heute detailliert darüber berichten, was mit ihrem Kapital passiert, also was die Impacts für Natur und Mensch sind. Die Transparenz ist hoch, da Investitionsdokumente für jeden einsehbar sind.

    Das sieht auch Karsten Löffler so. Er ist Vorsitzender des oben angesprochenen Sustainable Finance Beirats der Bundesregierung, Head FS-UNEP Centre und Managing Director Green and Sustainable Finance Cluster Germany: „Crowdinvesting bietet die Möglichkeit, dass sich jeder mithilfe eigener Investitionsentscheidungen an der Gestaltung einer nachhaltigen Wirtschaft und Gesellschaft beteiligen kann. Damit hat die digitale Direktfinanzierung viele Ziele mit Sustainable Finance gemein.“

    Die Transformation des Finanzsystems hin zu mehr Nachhaltigkeit wird nicht über Nacht geschehen. Wer aber dennoch nicht darauf warten mag, dass Finanzinstitutionen und die Politik die Rahmenbedingungen für Sustainable Finance schafft, der kann über schwarmfinanzierte Projekte schon heute eine nachhaltige Zukunft mit gestalten.

     

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    Tobias Panofen

    Tobias Panofen ist Senior Projektmanager bei der Frankfurt School of Finance & Management und verantwortlich für das erneuerbare Energie Portfolio des FS-UNEP Centres. Unter anderem leitet er die kommende Crowdinvesting Plattform frankly.green, die die FS gemeinsam mit Partnern aufsetzt.

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